Lange Reise in den Osten

 Die Neandertaler drangen bis nach Sibirien vor. Bild: wikipedia.de
Die Neandertaler drangen bis nach Sibirien vor. Bild: wikipedia.de
Die Neandertaler lebten auch in Sibirien. Das schließen Wissenschaftler um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig aus Analysen fossiler Knochen aus Okladnikov in Südsibirien. Nach ihren Ergebnissen stimmt das Erbgut der Fossilien aus Sibirien gut mit der DNA europäischer Neandertaler überein. Damit lebten die Neandertaler noch zweitausend Kilometer weiter östlich als bisher angenommen.
Bisher galt Teshik-Tash in Usbekistan als der östlichste Fundort von Neandertalerknochen. Dort waren in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts die Überreste eines etwa neunjährigen Neandertalerjungen entdeckt worden. Pääbo und seine Kollegen untersuchten nun DNA aus dem rechten Oberschenkelknochen des Neandertalerkindes und aus den Oberarm- und Fingerknochen der in Sibirien gefundenen Fossilien und verglichen diese mit dem Erbgut europäischer Neandertaler. Dazu verwendeten sie die DNA der Mitochondrien. Diese Zellbestandteile besitzen eigene Erbgutmoleküle und werden nur von der Mutter auf ihre Kinder weitervererbt. Damit eignen sie sich besonders gut, um den Grad der Verwandtschaft zwischen verschiedenen Menschen zu bestimmen.

Zwar fanden die Wissenschaftler sowohl in den Knochen aus Usbekistan als auch in denen aus Sibirien DNA-Anteile moderner Menschen. Das sei aber bei fast allen fossilen Knochen der Fall, erklären die Forscher. Entscheidend sei, dass einige Bereiche der Proben eindeutig mit dem Erbgut der Neandertaler aus Europa übereinstimmten. Die Mitochondrien-DNA der sibirischen und europäischen Neandertaler war dabei so ähnlich, dass sie noch nicht lange räumlich getrennt gelebt haben können, erklären die Wissenschaftler. Allerdings war der Junge aus Teshik-Tash wohl noch näher verwandt mit den europäischen Neandertalern als die Frühmenschen aus Sibirien. Ob die Neandertaler noch weiter nach Osten vordrangen, möglicherweise bis in die Mongolei oder nach China, müsse nun durch weitere Untersuchungen fossiler Knochen herausgefunden werden.
Svante Pääbo (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature06193

ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Was kommt dabei heraus, wenn sich Alice nicht ins Wunderland verirrt, sondern in eine Vorlesung über Quantenphysik? Eine Reise als intellektueller und ästhetischer Genuss.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe