Globalisierung vor 5.000 Jahren

Die Wiege der menschlichen Zivilisation stand in Mesopotamien, doch auch mehrere tausend Kilometer weiter östlich im heutigen Indien und Pakistan gab es bereits vor 3.000 bis 5.000 Jahren hoch entwickelte Städte. Das berichtet der amerikanische Autor Andrew Lawler und stützt sich dabei auf Ergebnisse von Archäologen, die in einem weiten Bogen zwischen dem Zweistromland und dem Indus und bis hinauf in die Ebenen des heutigen Turkmenistans Hinweise auf ein städtisches Leben entdeckt haben.
Lange Zeit hatten sich Archäologen bei ihrer Suche nach den frühen Hochkulturen vor allem auf die weiten Flusstäler und Ebenen von Tigris, Euphrat und dem Indus konzentriert. Doch nun wurden immer mehr Fundstellen bekannt, die weit abseits großer Ströme liegen. Inzwischen, schreibt Lawler, gibt es Hinweise auf Dutzende ehemalige städtische Zentren, die zwischen 3000 und 2000 vor Christus in Asien entstanden waren. Als Beispiel führt er Ausgrabungen aus dem Süden und Osten des heutigen Iran, aus Turkmenistan und auf der Arabischen Halbinsel im heutigen Oman an.

Zwischen diesen Hochkulturen muss es einen regen Austausch gegeben haben, worauf Funde von Keramik, Schmuck und anderen hochwertigen Gegenständen hindeuten. So fand sich der Schmuckstein Lapislazuli aus dem 4. Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien und Ägypten, Kupfer aus dem Oman gelangte schon im 3. Jahrtausend ins Zweistromland, und schon im 5. Jahrtausend wurde der für Klingen verwendete Obsidian aus Anatolien im Nahen Osten gehandelt. Lawler spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer frühen Globalisierung.

Dem Zweistromland kam in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle zu, da sind sich die Archäologen einig. Strittig hingegen ist inzwischen, ob Mesopotamien tatsächlich der alleinige Motor dieser Entwicklung war, wie bisher meist angenommen wurde. Möglicherweise hatten die gleichzeitig entstandenen frühen Kulturen einen ebenso bedeutenden Einfluss auf diese Welt, sagen immer mehr Archäologen und verweisen darauf, dass die Region lange Zeit fast ein Niemandsland der archäologischen Forschung war und daher oft nur sehr wenig über ihre Geschichte bekannt ist. "Wir müssen unseren Blickwinkel ändern", zitiert Lawler etwa die Archäologin Sylvia Winkelmann von der Universität Halle. Unter einem kulturgeschichtlichen Blickwinkel sei Mesopotamien nicht die einzige Wiege der Menschheit: "Es gibt mehrere", erklärt die Forscherin.
Andrew Lawler: Science, Bd. 317, S. 586

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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