Goldrausch am Nil

Amerikanische Archäologen haben im Norden des Sudan die Überreste einer Goldgräbersiedlung entdeckt. In dem Ort am Nil wurden zwischen 2000 und 1500 vor Christus Golderze abgebaut und weiterverarbeitet. Er gehörte zum sagenumwobenen Königreich von Kusch, einem Staat in der auch Nubien genannten Region, der viele Jahrhunderte lang seine Unabhängigkeit gegenüber dem mächtigen Ägypten behaupten konnte. Neben Geräten zur Golderzeugung entdeckten die Wissenschaftler um Bruce Williams und Geoff Emberling von der Universität von Chicago auch einen Friedhof und Überreste von Keramik.
Bei den Ausgrabungen im Ort Hosh el-Geruf etwa 360 Kilometer nördlich der sudanesischen Hauptstadt Khartum entdeckte das Forscherteam die Überreste von 55 Schleifsteinen aus dem sehr harten Gestein Gneis. Mit den Steinen wurde das Golderz zermahlen, so dass aus dem entstehenden feineren Material das Edelmetall ausgewaschen werden konnte. Die Wissenschaftler fanden zudem weiteres Werkzeug zur Verarbeitung von Erz und ein Feld mit neunzig runden Gräbern, die von Steinkreisen umrandet waren. Derartige Grabformen werden den Medjai zugeschrieben, einem Volk, dessen Mitglieder sich als Minenarbeiter, Söldner und Polizisten verdingten. Zu den Entdeckungen der Forscher gehörten auch für das Reich von Kusch typische, rechteckige Gräber und Keramik, die sowohl aus Nubien stammte, als auch aus Ägypten importiert worden war.

Die Funde zeigten, wie weit der Einfluss des nubischen Reichs einst nach Norden reichte, das damit einen Streifen von mehr als 1.200 Kilometern entlang des Nils umfasste, erklären die Forscher. Sie hoffen, mit der Entdeckung mehr Klarheit in die Geschichte dieses Königreichs zu bringen, über das die Überlieferung im Vergleich etwa zu den ägyptischen Dynastien sehr lückenhaft ist. Nachdem durch den Bau eines Staudamms in der Nähe des Fundorts ein etwa 160 Kilometer langer See entstehen wird, suchen Archäologen aus der ganzen Welt in der betroffenen Region derzeit fieberhaft nach archäologischen Fundstätten.
Mitteilung der Universität von Chicago

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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