Was der Clovis-Kultur das Ende brachte

Die Clovis-Kultur ist möglicherweise in Folge eines Kometeneinschlages vor etwa 13.000 Jahren ausgestorben. Das schließen amerikanischer Forscher aus Sedimentuntersuchungen aus Nordamerika und Belgien. Demnach raste der Komet in die Erdatmosphäre, zerbrach in mehrere Teile und explodierte in großen Feuerkugeln, wobei die Bruchteile vermutlich bis nach Europa gelangten. Durch den Einschlag entstanden riesige Brände in ganz Nordamerika, die zu einem abrupten Ende der Clovis-Kultur führten, der ältesten bekannten menschlichen Kultur Nordamerikas.
Richard Firestone vom Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley und seine Kollegen fanden an den Stellen ehemaliger Siedlungen der Clovis-Kultur und an anderen Orten in Nordamerika und Belgien eine kohlenstoffreiche Sedimentschicht, die mehrere Arten von außerirdischen Gesteinen enthält. Die Forscher entdeckten unter anderem winzige Diamanten, die bisher auf der Erde nur in Meteoriten gefunden wurden, kleine Kohlenstoffkügelchen, die durch schnelle Abkühlung in der Luft entstehen, und das auf der Erde sehr seltene Helium-3-Isotop. Da die Sedimentschicht keine für Asteroiden typische hohen Nickel- noch Iridiumkonzentrationen enthält, vermuten die Wissenschaftler einen Kometen als Ursprung der Ablagerungen.

Auf jeden Fall handelte es sich wohl um ein Objekt mit sehr geringer Dichte, dass beim Eintritt in die Atmosphäre zersplitterte, so die Forscher. Da der Komet keinen eindeutigen Krater hinterließ, seien die Einzelteile entweder in der Luft explodiert oder auf dem drei Meter mächtigen Inlandeis eingeschlagen, das damals weite Teile Nordamerikas bedeckte. Wo der Komet genau niederging, ist bisher noch unklar, doch deute vieles auf den Norden des amerikanischen Kontinents hin.

Sollte die Theorie von Firestone und seinen Kollegen stimmen, könnte sie den abrupten Klimawandel auf der Nordhalbkugel vor etwa 10.000 Jahren erklären. So könnte der Kometeneinschlag den mächtigen Eisschild destabilisiert und damit die als Jüngere Dryas bekannte Kälteperiode ausgelöst haben. Zudem verursachten die Explosionen nach Ansicht der Forscher riesige Waldbrände, die schließlich die Clovis-Kultur und auch einige Säugetierarten auslöschten.

Viele Wissenschaftler stehen der apokalyptischen Theorie jedoch skeptisch gegenüber. So ist der amerikanische Paläontologe Paul Koch zwar fasziniert von den neuen Beweisen für einen Kometeneinschlag, doch er glaubt nicht an die über den ganzen Kontinent verbreiteten Feuer.
New Scientist, Onlinedienst

ddp/wissenschaft.de ? Claudia Hilbert


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