Salbentöpfe statt Grabvasen des Pharao

 Statue von Ramses II in Abu Simbel. Foto: Hajor, Wikipedia
Statue von Ramses II in Abu Simbel. Foto: Hajor, Wikipedia
Krüge mit den angeblichen Überresten des ägyptischen Pharaos Ramses II enthalten in Wirklichkeit gewöhnliche Kosmetika, haben französische Archäologen entdeckt. In den Vasen befanden sich vermutlich Heilsalben, die aus Fett und Duftholz hergestellt wurden, fanden die Wissenschaftler um Jacques Connan von der Universität Straßburg mithilfe von Materialanalysen heraus. Zudem sind die Krüge vermutlich wesentlich jünger als bisher angenommen.
Die vier blauen Krüge, deren Inhalt die Wissenschaftler untersucht haben, sind seit dem Jahr 1905 im Pariser Louvre ausgestellt. Da sie eine Aufschrift mit dem Namen "Ramses II" tragen, wurden sie bisher für Bestattungsgefäße des berühmten Pharao gehalten. Man nahm an, dass sie die einbalsamierten Eingeweide des Pharao enthielten, unter anderem dessen Herz. Allerdings sehen allein die Krüge schon anders aus als typische Bestattungsgefäße aus der Zeit Ramses II. "Sie haben eher Ähnlichkeit mit Salbengefäßen, die in den Gräbern von Tutanchamun gefunden wurden", sagt Connan. Der Archäologe erbat daher vom Louvre die Erlaubnis, das Material in den Gefäßen mithilfe von Methoden näher zu analysieren, die Aufschluss über dessen organische Zusammensetzung geben können.

Dabei konnten die Wissenschaftler keine Spuren von Bienenwachs oder Harz entdecken, wie es typischerweise zur Einbalsamierung von Mumien verwendet wurde. Stattdessen fanden sie in den Krügen Spuren von tierischem Fett sowie Pinien- und Zedernholz, das die Ägypter aus der Region des heutigen Libanon importierten. Dies lasse darauf schließen, dass die Vasen eine duftende Heilsalbe enthielten, erläutert Connan. Solche Heilsalben verwendeten die alten Ägypter zum Beispiel, um bei Zeremonien ihre Köpfe einzuölen.

Auch das Alter des Materials spricht dagegen, dass Ramses II in den blauen Vasen bestattet wurde: Mithilfe der Radiokarbon-Methode, mit der eine genaue Altersbestimmung möglich ist, datierten die Forscher das Material auf das Jahr 1035 vor Christus. Ramses II starb jedoch schon im Jahr 1213 vor Christus. Der Louvre geht nun davon aus, dass die Gefäße für einen Tempel des Sonnengottes Amun Re hergestellt wurden. Sie würden den Namen Ramses II vermutlich deswegen tragen, weil dieser den Tempel in Auftrag gegeben habe. Später seien dann die besagten Salben in ihnen aufbewahrt worden.
New Scientist, 17. März, S. 12

Originalarbeit: Armelle Charrié-Duhaut (Louis-Pasteur-Universität, Straßburg) et al.: Journal of Archaeological Science, Bd. 34, S.957

ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein


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