Schlangenkult am "Ayers Rock Afrikas"

 Foto: Sheila Coulson
Foto: Sheila Coulson
Die ältesten bisher bekannten Hinweise auf Rituale beim Menschen glauben norwegische Wissenschaftler in Botsuana gefunden zu haben: In einer Höhle in dem Land im Süden Afrikas entdeckten die Forscher um Sheila Coulson von der Universität in Oslo Speerspitzen, die im Feuer behandelt worden waren und deren Alter sie auf 70.000 Jahre datierten. Zudem fanden die Wissenschaftler zahlreiche Reste von Werkzeugen, die für Felsgravuren verwendet wurden, jedoch keinerlei Hinweise auf Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Daraus schließen die Forscher, dass die Höhle einzig zu rituellen Zwecken aufgesucht wurde. Das meldet die Universität in Oslo.
Der Fundort liegt in einem Felsmassiv namens Tsodilo Hills im Nordwesten Botsuanas. Das Massiv ist bekannt als der Ort mit der weltweit größten Anzahl prähistorischer Felszeichnungen und wurde daher 2001 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Von den Ureinwohnern des südlichen Afrikas, den San, wird das Massiv als Heiligtum verehrt und hat eine ähnliche Bedeutung wie Ayers Rock für die Ureinwohner Australiens. Die Höhle, in der Coulson und ihre Kollegen nun die ältesten Hinweise auf Rituale entdeckten, liegt versteckt in einem schwer zugänglichen Teil des Massivs und wurde daher erst in den neunziger Jahren von Archäologen untersucht.

In der Höhle selbst befinden sich nur zwei Felsmalereien: die Darstellung einer Giraffe und eines Elefanten. Auffällig ist jedoch eine mehrere Meter lange Felsstruktur, die an einen Python erinnert ? eine Schlange, der in den Schöpfungsmythen der San eine zentrale Bedeutung zukommt. Der Felsen war von den Besuchern der Höhle in mühevoller Arbeit behauen worden, stellten die norwegischen Forscher fest. Bei Ausgrabungen auf dem Platz direkt vor dem Felsen entdeckten die Wissenschaftler die Reste der Steinwerkzeuge, die für diese Arbeit verwendet worden waren.

Zudem stießen die Forscher auf besonders aufwändig gefertigte Speerspitzen aus Stein, die Feuer ausgesetzt worden waren. Reste einer Besiedlung wie Knochenstücke oder gewöhnliches Werkzeug fanden sich hingegen nicht. Gesteinsanalysen ergaben, dass die Speerspitzen nicht aus der Gegend um Tsodilo Hills stammten, sondern aus mehreren hundert Kilometern Entfernung herangeschafft worden waren. Die Forscher vermuten daher, dass die steinzeitlichen Besucher der Höhle hier rituelle Verbrennungen ihrer Waffen vornahmen. Rituelle Handlungen hätte es demnach deutlich früher gegeben als bisher bekannt.
Meldung der Universität in Oslo

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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