Hightech im alten Griechenland

 Von den einstmals wahrscheinlich 37 Zahnrädern des Mechanismus von Antikythera lassen sich heute noch 29 rekonstruieren. Foto: Antikythera Mechanism Research Project
Von den einstmals wahrscheinlich 37 Zahnrädern des Mechanismus von Antikythera lassen sich heute noch 29 rekonstruieren. Foto: Antikythera Mechanism Research Project
Die alten Griechen haben bereits um 100 vor Christus eine Zahnradapparatur gebaut, mit der sie Sonnenfinsternisse vorhersagen und die leicht elliptische Bahn des Mondes exakt simulieren konnten. Das sagen Wissenschaftler um Tony Freeth von der Universität in Cardiff, die in jahrelanger Arbeit den Mechanismus eines aus mehr als dreißig Zahnrädern bestehenden Räderwerks entschlüsselt haben. Die unter dem Namen "Mechanismus von Antikythera" genannte Apparatur war 1901 in einem griechischen Schiffswrack gefunden worden. Seither versuchten Forscher, die Funktionsweise des stark korrodierten und teilweise zerfallenen Geräts zu ergründen.
Von dem Räderwerk aus Bronze war ursprünglich in einem etwa dreißig mal zwanzig mal zehn Zentimeter großen Holzkasten untergebracht. In das Holz waren Inschriften mit Hinweisen zum Gebrauch des Apparats eingeritzt. Einen Teil der Gravuren hatten Wissenschaftler bereits vor einigen Jahrzehnten entziffert. Dank eines eigens im Archäologischen Nationalmuseum in Athen installierten, acht Tonnen schweren Computertomografen konnten die Wissenschaftler nun weitaus mehr Details auf den insgesamt über achtzig Bruchstücken erkennen und einen weiteren Teil der Inschriften entschlüsseln.

So entdeckten die Forscher die Zahl 223, die auf Informationen zur Saros-Periode hinweist ? jener Zeitspanne, in der sich Sonnen- und Mondfinsternisse wiederholen. Andere Inschriften deuten auf geographische Daten hin, die möglicherweise dazu dienten, den Einsatzort des Geräts näher zu beschreiben, die Sonnenfinsternisse ja immer nur auf einem begrenzten Teil der Erdoberfläche zu beobachten sind.

Auch die Funktionsweise des Räderwerks, das die Wissenschaftler um Freeth auf die Zeit zwischen 100 und 150 vor Christus datieren, konnten die Forscher nun näher entschlüsseln. Die Forscher vermuten, dass es neben den 29 bekannten Zahnrädern noch mindestens 8 weitere gab. So lieferte der Mechanismus nicht nur Vorhersagen der Sonnen- und Mondfinsternisse, sondern auch den leicht elliptischen Verlauf der Mondbahn, wie ihn der griechische Astronom Hipparchos im zweiten Jahrhundert vor Christus bereits beschrieben hatte.

Möglicherweise hat Hipparchos sogar selbst beim Bau des Mechanismus mitgewirkt, spekulieren die Forscher: Das Schiff, in dem das Räderwerk gefunden worden war, kam ursprünglich aus Rhodos und damit von der Insel, auf der auch Hipparchos lebte. Der auch " Computer von Antikythera" genannte Mechanismus ist für Archäologen einzigartig: Derart komplizierte Mechaniken waren bisher aus diesem Zeitalter nicht bekannt und tauchen erst wieder im Mittelalter und in der Renaissance auf.
Tony Freeth (Universität in Cardiff) et al.: Nature, Bd. 444, S. 587

ddp/wisenschaft.de ? Ulrich Dewald


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