Was an Kolumbus Schnürsenkeln so besonders war

Als die ersten Europäer auf Kuba ankamen, waren die Ureinwohner wild auf das Messing an den Schnürsenkeln der spanischen Entdecker. So konnte die Besatzung der Flotte des Kolumbus die Messinghülsen, die ihre Schnürsenkel am Ausfransen hinderten, gegen Gold der Indios eintauschen. Das schließen britische Archäologen aus der Analyse von Grabbeigaben der Ureinwohner Kubas aus der Zeit der Ankunft der ersten Europäer.
Bei ihren Ausgrabungen entdeckten die Archäologen erstaunlich wenig Gold in den Gräbern der Ureinwohner, obwohl das Edelmetall in dieser Region häufig vorkam und Goldschmuck bei den Indios üblich war. Stattdessen fanden sie viele Messingröhrchen, die die Indios als Halsketten trugen. Messing war jedoch vor der Ankunft der Europäer in ganz Amerika unbekannt. Mit der so genannten Radiokarbonmethode hatten Wissenschaftler die Begräbnisstätte in die Zeit wenige Jahrzehnte nach der Ankunft der Flotte des Kolumbus im Jahr 1492 datiert. Daraus schlossen die Archäologen, dass das Messing von den spanischen Eroberern stammte. Sogar Kolumbus selbst erwähnte in seinen Tagebüchern den Handel mit den Messinghülsen der Schnürsenkel.

Eine strukturelle und chemische Analyse des Messings identifizierte schließlich Deutschland als Ursprungsort für die Legierung aus Kupfer und Zink. Wahrscheinlich hatte der mittelalterliche Handel in Europa das Metallgemisch nach Spanien und schließlich in die Karibik gebracht. Die Ureinwohner Kubas hatten eine spezielle Vorliebe für den Glanz des Messings und schätzten es als wertvoller ein als Gold, erklären die Archäologen. Vor ihrer Ankunft wussten die spanischen Eroberer das natürlich nicht und hatten besaßen deshalb keine großen Mengen an Messing. So mussten also die Messingröhrchen der Schnürsenkel herhalten, die sie gegen das Gold der Indios eintauschten, um damit ihren großen Goldhunger zu stillen.

Die Tainos, die Ureinwohner Kubas und anderer karibischer Inseln, konnten sich allerdings nicht mehr lange an dem Messing erfreuen. Durch das rücksichtslose Vorgehen der Eroberer und durch ihre mitgebrachten Krankheiten wurden sie innerhalb von nur fünfzig Jahren nach ihrer Entdeckung fast völlig ausgerottet. Die heutige Bevölkerung der Karibischen Inseln besteht überwiegend aus Nachkommen von Afrikanern, die als Arbeitssklaven nach Amerika gebracht wurden, weil nicht mehr genügend Einheimische übrig geblieben waren.
Marcos Martinón-Torres (University College, London) et al.: Journal of Archaeological Science, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.jas.2006.04.013

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