Disziplinierte Gladiatorenkämpfe

Gladiatoren im alten Rom hielten sich bei ihren Kämpfen streng an vorgegebene Regeln, anstatt sich gegenseitig brutal und wahllos zu verstümmeln. Zu diesem Ergebnis kamen österreichische Wissenschaftler, als sie Knochenreste von einem antiken Gladiatorenfriedhof in Ephesos mit forensischen Methoden untersuchten. Die römischen Kämpfer benutzten in einem Duell immer nur eine einzige Waffe und verzichteten darauf, sich vielfach zu verwunden, schlossen die Forscher aus den Verletzungen an den Schädelknochen. Außerdem fanden sie Hinweise, dass Gladiatoren, die verletzt aber noch lebend das Schlachtfeld verließen, anschließend mit einem Hammerschlag hingerichtet wurden.
Karl Großschmidt von der Medizinischen Universität in Wien und Fabian Kanz vom Österreichischen Archäologischen Institut untersuchten die sterblichen Überreste von 67 Gladiatoren, die von einem Friedhof im türkischen Ephesos stammten, einem antiken römischen Machtzentrum. Schon 1933 hatten Archäologen die Grabstätte entdeckt und anhand der Reliefs als Gladiatorenfriedhof identifiziert. Nachdem Großschmidt und Kanz die ungefähr 1900 Jahre alten Knochen mit Mikroskopen und einem Computertomographen genauer analysiert hatten, konnten sie auf die Todesursache der Kämpfer schließen.

Die Gladiatoren hatten in einer Kampfrunde nur jeweils eine Waffe für ein Duell zur Verfügung, fanden die Wissenschaftler anhand der Verletzungen der vorderen Schädelpartie heraus. Außerdem konnten sie keinerlei Anzeichen für mehrfache Schädigungen oder brutalste Verstümmelungen finden. Ihre Ergebnisse bestätigen damit die Meinung vieler Historiker, dass es bei Gladiatorenkämpfen diszipliniert zuging. So überwachten wahrscheinlich zwei Schiedsrichter das Geschehen und verhinderten unkontrollierte Handgemenge. Außerdem war in einem Kampf die Leistungsfähigkeit der Kontrahenten aufeinander abgestimmt.

Eine weitere Vermutung über die antiken Gladiatorenspiele: Forderten die Zuschauer in einer römischen Arena den Tod eines Gladiators, der den Kampf überlebt hatte, so erschlug ein Scharfrichter den Verletzten abseits des Schlachtfelds mit einem rechteckigen Hammer. Auch hierfür konnten Großschmidt und Kanz Hinweise finden, denn bei zehn der untersuchten Schädelknochen zeigte sich eine quadratische, für den Hinrichtungshammer typische Verletzung.
New Scientist, 25. Februar, S. 17

ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann


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