Das zahnlose Lächeln der Pharaonen

Die alten Ägypter inklusive der überaus mächtigen Pharaonen hatten extrem schlechte Zähne: Bis zum Stumpf abgenutzte Zahnkronen, Karies, weit fortgeschrittene Parodontitis, angegriffene Kieferknochen und lebensgefährliche Infektionen waren eher die Regel als die Ausnahme, hat eine britische Ägyptologin bei der Untersuchung von 500 altägyptischen Schädeln entdeckt. Schuld an dieser Misere waren wahrscheinlich nicht nur die Ernährungsgewohnheiten, sondern auch die überraschende Tatsache, dass es trotz des insgesamt hohen medizinischen Standards keine Zahnärzte gab.
Die Schädel, die die Zahnärztin und Ägyptologin Judith Miller von der Universität Manchester untersuchte, stammen von sechs verschiedenen Fundstellen und sind zwischen 6.000 und 2.000 Jahre alt. Fast alle haben das gleiche Problem: eine extrem starke mechanische Abnutzung der Zähne. Irgendetwas in der Nahrung müsse Zahnschmelz und Zahnbein nach und nach vollständig abgeschliffen haben, berichtet Miller ? mit der Folge, dass das empfindliche Zahnmark freilag und infektiöse Bakterien leicht eindringen konnten. Erst nach der Ankunft der Griechen im Jahr 332 vor Christus änderte sich das Bild und die Zähne wurden weniger stark beansprucht.

Miller vermutet die Ursache der ungewöhnlich starken Abnutzung in den damaligen Brotbackgewohnheiten. Die meist aus der Weizenart Emmer bestehenden Brote enthielten nämlich nicht nur die Schalen der Getreidekörner, sondern auch Schrotreste vom Mahlen sowie Sand und Abrieb der Mühlsteine. Die Griechen bevorzugten dagegen feineres, weißes Brot aus Hartweizen, das mit deutlich weniger harten Körnern durchsetzt war.

Im Gegensatz zum Zahnabrieb nahm der Anteil der von Karies befallenen Zähne mit der Zeit zu: Litten in der vordynastischen Zeit um 3000 vor Christus nur 16 Prozent der Bevölkerung unter durchlöcherten Zähnen, stieg die Rate in der Ära der großen Pharaonen auf 25 und später in der griechisch-römischen Phase sogar auf 34 Prozent. Schuld daran waren nach Millers Ansicht der Anstieg des Kohlenhydratanteils in der Nahrung und der zunehmende Gebrauch von Süßungsmitteln wie Honig, Feigen und Datteln. Warum die Ägypter jedoch trotz der unglaublichen Schmerzen, die die Zahnprobleme bereiteten und der zum Teil tödlich verlaufenden Infektionen keine Zahnheilkunde entwickelten, ist bislang nicht geklärt.

New Scientist, 2. Juli, S. 36
ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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