Magnetspur des Todes

Magnetische Spuren in der Erde können verraten, wo sich alte Gräber befinden: Beim Zersetzen eines Körpers bleibt das in den Biomolekülen enthaltene Eisen übrig und ergibt ein ganz feines magnetisches Signal im Boden. Solche so genannten "magnetischen Geister" hat der britische Archäologe Neil Linford bei der Analyse von Bodenproben entdeckt, die von zwei bereits bekannten antiken Friedhöfen stammen. Der Wissenschaftler vom University College in London beschreibt seine Untersuchungen in der Fachzeitschrift Archaeological Prospection (Bd. 11, Nr. 3, S. 167).
Viele alte Grabstätten werden entdeckt, weil sie Grabbeigaben aus Metall oder Fragmente von Steinsarkophagen enthalten. Dagegen sind nur in wenigen Fällen Bodenbeschaffenheit und Umweltbedingungen so, dass bestattete Körper oder deren Skelette auch über lange Zeiträume konserviert werden. In den meisten Grabstätten zersetzen sich die Leichen vollständig, und beim Fehlen von Grabbeigaben bleibt lediglich ein geringer Farbunterschied zum umgebenden Erdreich übrig. Daher ist das Aufspüren solcher Begräbnisstätten für Archäologen äußerst schwierig.

Die von Neil Linford entwickelte Methode könnte nun Abhilfe schaffen. Der Archäologe vermutete, die magnetischen Eigenschaften des Bodens einer Grabstätte könnten sich von denen des umliegenden Erdreichs unterscheiden. Diese These basiert darauf, dass der menschliche Körper Eisen enthält, beispielsweise als Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Zersetzt sich ein Körper in der Erde, bleibt dieses Eisen übrig und verändert die Zusammensetzung der Bodenmineralien. Dadurch müssten sich auch die magnetischen Eigenschaften des Erdreichs an dieser Stelle verändern, vermutete Linford.

Um diese These zu testen, untersuchte er Bodenproben eines römischen Friedhofs und einer etwa 1.200 Jahre alten angelsächsischen Begräbnisstätte. In beiden Fällen entdeckte er typische Veränderungen der magnetischen Eigenschaften des Erdreichs im Vergleich zu Proben, die nicht direkt von den Friedhöfen stammten. Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse ist der Archäologe jedoch vorsichtig: Da bislang erst zwei Proben untersucht worden seien, müsse sich die Methode erst bei weiteren Untersuchungen bewähren.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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