Streit um vermeintliche Amerika-Karte aus dem 15. Jahrhundert

Vor etwa fünfzig Jahren tauchte in Europa eine mysteriöse Weltkarte auf: Sie sollte aus der Zeit vor Christoph Kolumbus stammen und zeigt den Küstenverlauf Nordamerikas. Angeblich wurde die Karte anlässlich eines Konzils gezeichnet, das sich zwischen 1431 und 1449 in Basel getroffen hat. Zwei Forschergruppen haben nun die Karte mit modernsten Methoden untersucht. Die Karte ist eine Fälschung, behauptet die eine Gruppe aus London. Die Karte ist echt, sagen dagegen Wissenschaftler aus dem amerikanischen Tucson.
Auf dem Dokument, das Wissen von Wikingern wiedergeben soll, heißt Amerika "Vinland". Der norwegische Eroberer Leif Erikson hat vor etwa tausend Jahren dem Kontinent diesen Namen verliehen, der entweder "Weinland" oder "Weideland" bedeuten könnte. Die Ankunft der Wikinger in Amerika ist mittlerweile zweifelsfrei erwiesen. Der Name "Vinland" ist zudem typisch für Erikson und seine Mannen, die ihre Entdeckungen gegenüber Zeitgenossen in günstiges Licht zu stellen wussten. Zuvor hatte Leifs Vater Erik der Rote schon einer Gletscher-Insel den Namen "Grünes Land" oder altnordisch "Grönland" gegeben.

Die Vinland-Karte, die angeblich 20 Millionen Dollar wert ist, wurde trotzdem schnell als Fälschung bezeichnet: Sie zeige eine Welt, die gar nicht den mittelalterlichen Vorstellungen entsprach, argumentierten Historiker. Außerdem war der Küstenverlauf von Norwegen so ungenau verzeichnet, dass man sie nicht den seetüchtigen Wikingern zuschreiben wollte.

In der Tinte fanden Chemiker zudem das Titanoxid Anatase, dass erst seit 1923 hergestellt werden kann. Dagegen wandten Chemiker ein, dass Anatase auch in mittelalterlichen Tinten enthalten gewesen sein könnte, wenn sie Eisenverbindungen und Gallensaft enthielten. Tatsächlich fanden Forscher die Verbindung später auch in anderen mittelalterlichen Dokumenten. Auf der Vinland-Karte scheint die mittelalterliche Tinte gelblich auf das Papier abgefärbt zu haben. Das ist typisch für alte Tinten, wenn sie Eisenverbindungen enthalten. Hatte die Vinland-Karte jedoch einen geschickten Fälscher, könnte dieser den Effekt nachgeahmt haben.

Robin Clark von der College-Universität in London und seine Kollegen haben daher die Tinte und die gelben Ränder an der Tinte näher untersucht. Mit einer hochempfindlichen Laserspektroskopie fanden sie Anatase lediglich in den gelben Rändern. Die Tinte selbst enthalte jedoch kein Eisen, sondern einen Farbstoff auf Kohlenstoffbasis, schreiben sie in der Zeitschrift Analytical Chemistry, (Bd. 74, S. 3658). Auf einem Original hätte es also gar keine gelben Ränder geben dürfen, argumentieren die Forscher. Damit sei erwiesen, dass die Karte erst nach 1923 entstanden ist.

Chemiker der Universität Arizona haben derweil mit der Radiokarbon-Methode das Alter des Pergaments untersucht, auf der die Karte aufgezeichnet ist. Das Ergebnis ihrer Studie beschreiben sie in der August-Ausgabe der Zeitschrift Radiocarbon, (Bd. 44, S. 45): Das Pergament stammt aus der Zeit von 1423 bis 1445. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Radiokarbonmethode bei mittelalterlichen Dokumenten besonders zuverlässig arbeitet.
ddp/bdw - Andreas Wawrzinek


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