War der moderne Mensch den Neandertalern technisch überlegen?

Bei der Besiedlung von Zentraleuropa hat sich die handwerkliche Überlegenheit des modernen Menschen über den Neandertaler gezeigt. Das behauptete jetzt John Hoffecker von der Universität in Boulder, USA, auf einem Treffen der amerikanischen Archäologie-Gesellschaft in Denver.
Zusammen mit russischen Kollegen erkundet der Forscher am Don eine 30. bis 40.000 Jahre alte Fundstätte mit Überresten des modernen Menschen. Die Wissenschaftler fanden dort, etwa 500 Kilometer südlich vom heutigen Moskau, Überreste von Knochenwerkzeugen und verzierten Nadeln aus Elfenbein. Einiges deute zudem darauf hin, dass der moderne Mensch damals auch Fallen gebaut hat, Fische gefangen und Vögel mit Pfeilen geschossen hat.

Vor 40.000 Jahren lebten am Don auch Neandertaler. "Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass der Neandertaler über ähnliche Techniken wie der moderne Mensch verfügt hat", sagt Hoffecker. Man habe dagegen am Don auch sehr primitive Steinwerkzeuge gefunden, die von Neandertalern stammen könnten.

Viele Forscher stimmen der These von der Überlegenheit des modernen Menschen, der immerhin ein deutlich kleineres Gehirn besitzt als der Neandertaler, nicht zu. So belegen etwa Funde aus dem Nordharz, dass Neandertaler schon vor 80.000 Jahren Birkenrinden-Pech hergestellt haben, um Steinklingen mit Holzgriffen zu verkleben. Bei der Herstellung des Klebstoffs muss über längere Zeit zuverlässig eine Temperatur von 360 bis 400 Grad eingehalten werden. "Birkenrinden-Pech kann nicht zufällig entdeckt oder hergestellt werden, sondern erfordert hohe geistige Fähigkeiten, wie sie auch der moderne Mensch besitzt", erklärte der Jenaer Frühhistoriker und Geologe Dietrich Mania auf Nachfrage.

ddp/bdw - Andreas Wawrzinek


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