Weisheiten aus Ras Schamra geben Einblick in die Lebensphilosophie vor 3.300 Jahren

Ras Schamra, das alte Ugarit, war bislang vor allem für das älteste vollständige Alphabet bekannt. Jetzt stellte John Khanjian von der Haigazian Universität dort die wenig beachteten, aber nicht minder interessanten akkadischen Weisheitstexte aus der Tontafelbibliothek aus Ugarit vor. Ähnlich den biblischen Sprichwörtern versuchen auch sie sich dem täglichen Leben philosophisch zu nähern. Das berichtet "The Daily Star".
Bereits im Jahre 1928 stieß ein Bauer bei der Feldarbeit in Ras Schamra auf einen harten Gegenstand. Es stellte sich heraus, dass er auf eine Bibliothek aus dem 2. Jahrtausend vor Christus gestoßen war. Die darin enthaltenen ugaritischen Tontafeln machten die mächtige Handelsmetropole Ugarit zum Geburtsort des ältesten Alphabets der Welt.

Doch darüber hinaus lehren einen die Weisheitstexte das tägliche Leben zu meistern. Ein Ausspruch wie ?Sohn, geh nicht in ein Trinkhaus!? warnt vor Trunksucht, ein anderer verleitet zum Schmunzeln: ?Deine Frau muss nicht wissen, was Du in Deinem Geldbeutel hast!?. Da bekommt doch tatsächlich der Mann einen Freibrief dafür einzukaufen was er will und ohne seine Frau um Rat zu fragen. Der Spruch ?Ein später Sohn ist ein finanzieller Schaden!? soll wohl dazu ermuntern, Kinder eher früh zu bekommen, damit sie vor dem eigenen Ableben den Eltern zur Hand gehen können.

Die Ugariter Weisheit scheint darin bestanden zu haben, die Erfahrungen während ihres Lebens niederzuschreiben. So erhalten die Nachkommen eine Art Richtschnur, nach der sie leben können. Dass bei den Ugaritern - anders als in den biblischen Sprichwörtern - die Weisheit über das Reich der Götter hinausgeht, macht folgender Ausspruch deutlich: ?Weisheit kann man entweder von der Göttern erhalten oder von einer Frau, die gerade mit einem Mühlstein mahlt!? Dies zeigt, wie weit gefasst die Weltsicht der Weisheitstexte war. Nicht nur die Götter, sondern auch einfache Leute können Weisheit oder Wissen vermitteln.

Interessanterweise gab es schon damals eine Art Globalisierung. ?Die Studenten, die Akkadisch lernten, arbeiteten im Handel, der Diplomatie und internationalen Beziehungen, während Ugaritisch nur die benutzten, die im Tempel arbeiteten?, so Khanjian. ?So hatte auch damals schon jede Sprache ihr spezielles Aufgabengebiet. Heute werden stellvertretend Englisch und Französisch als Handelssprache und Arabisch für den häuslichen Gebrauch verwendet. Da jede Sprache auch eine bestimmte Weltsicht vermittelt, lernten die Studenten nicht nur die Sprache, sondern auch die fremde Lebensphilosophie.?
Birgit Kahler


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