Zweimal zum besten Freund geworden

Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen. (Bild: andresr/iStock)

Von der Dogge bis zum Dackel – klar ist, die Wurzeln aller heutigen Hunderassen gehen letztlich auf Wölfe zurück, die der Mensch einst domestiziert hat. Wo sich diese folgenreiche Beziehung allerdings entwickelt hat, ist bislang unklar. Eine neue Analyse von genetischen und archäologischen Daten legt nun nahe: Der beste Freund des Menschen scheint gar nicht einmal, sondern gleich zweimal domestiziert worden zu sein. Die Hunde sind demnach aus zwei verschiedenen Populationen von Wölfen hervorgegangen, die am jeweils anderen Ende Eurasiens zu Begleitern des Menschen wurden.

Studien, die sich mit der Entwicklungsgeschichte des Hundes befasst haben, kamen bislang zu keinen eindeutigen Ergebnissen, da sich die Hinweise über den Ursprung dieses speziellen Haustiers zu widersprechen schienen. Einige legten nahe, dass Menschen Wölfe zuerst in Europa domestiziert hatten, andere wiederum, dass dies ursprünglich in Zentralasien oder China geschehen war. Das sorgte unter den "Hundeforschern" für eine kontroverse Debatte. "Vielleicht gab es bisher keinen Konsens zum Herkunftsort der Tiere, weil jeder ein bisschen Recht hatte", sagt der Seniorautor der Studie Greger Larson von der University of Oxford.

Fossile DNA gibt Einblicke

Kernstück der Studie bildet die Sequenzierung des Genoms eines 4.800 Jahre alten Hundes aus Irland. Archäologen hatten seine Überreste in einer neusteinzeitlichen Grabkammer in Newgrange entdeckt. Außerdem analysierten die Forscher das mitochondriale Erbgut (mtDNA) von 59 Hunden, die vor 14.000 bis 3.000 Jahren gelebt haben und verglichen dieses mit der mtDNA von mehr als 2.500 modernen Hunden und Wolfspopulationen aus Westeurasien und Ostasien. Außerdem werteten die Forscher Informationen aus archäologischen Funden zu Hunden erneut systematisch aus.

In den Ergebnissen zeichnet sich den Forschern zufolge eine charakteristische Trennung zwischen modernen Hundepopulationen ab, die heute für Ostasien beziehungsweise Europa typisch sind. Diese Trennung scheint dabei tief in die Geschichte zurückzureichen. In den genetischen Daten spiegelt sich zudem wider, dass die älteste Haushund-Population in Europa zum größten Teil durch eine von außen zugewanderte Gruppe ersetzt wurde. Aus den archäologischen Funden geht wiederum hervor, dass Hunde sowohl im Osten als auch im Westen Eurasiens vor mehr als 12.000 Jahren auftauchten. In dem Bereich dazwischen – in Zentralasien – erscheinen sie aber nicht früher als vor etwa 8.000 Jahren.

Das älteste aller Haustiere hat zwei Ursprünge

Die Forscher folgern aus diesen Ergebnissen: Hunde wurden aus geografisch getrennten Wolfspopulationen domestiziert, die jeweils auf der entgegengesetzten Seite des Eurasischen Kontinents lebten. Nach ihrer Domestizierung gelangten die osteurasischen Hunde dann durch Migrationsströmungen ihrer Halter nach Europa. Hier vermischten sie sich dann mit den europäischen Hunden wobei sie deren Population größtenteils ersetzten. Die meisten heutigen Hunde sind also eine Mischung von "östlichen" und "westlichen" Hunden. Das könnte erklären, warum vorherige genetische Studien sich so schwer interpretieren ließen.

Das internationale Forscherteam plant nun weitere Untersuchungen anhand von Funden von Hunden und Wölfen, um Herkunftszeit und – ort des ältesten aller Haustiere noch genauer zu bestimmen. Co-Autor Keith Dobney von der Universität Liverpool sagt dazu: "Dank der großzügigen Hilfe vieler Kollegen auf der ganzen Welt – den Austausch von Ideen, wichtigen Funden und ihren eigenen Daten – erzählen die genetischen und archäologischen Belege zusammen genommen jetzt eine neue stimmige Geschichte. Mithilfe weiterer neuer und aufregender Daten, werden wir endlich die wahre Geschichte des besten Freundes des Menschen aufdecken", so der Wissenschaftler.

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