Troja-Grabungsmannschaft weist "diffamierende Äußerungen" zurück

Das fünfzig Mann starke Team am Ausgrabungsort Troja in der Türkei hat am Sonntag "diffamierende Äußerungen" des Tübinger Althistorikers Frank Kolb zurückgewiesen.
Der Wissenschaftler hatte dem Troja-Ausgräber Manfred Korfmann «Irreführung der Öffentlichkeit» vorgeworfen, weil er Troja als Stadt mit überregionaler Bedeutung darstelle. Dagegen sagte die Grabungsmannschaft der dpa: «Troja hatte eine dicht besiedelte Unterstadt. Sie erstreckte sich knapp einen halben Kilometer von der Burg aus. Überall, wo wir in den Boden gehen, treffen wir auf die Überreste der Bebauung aus Troja VI und Troja VII» (1300-1200 v. Chr.). Diese seien auch «für ungeübte Augen klar zu sehen».

Die Wissenschaftler vor Ort betonten, dass Troja auch im zweiten Jahrtausend vor der Zeitrechnung eine «beachtliche Residenz- und Handelsstadt» gewesen sei. Das stelle keine «absurde Hypothese» dar, sondern eine durch zahlreiche Indizien belegte Annahme, nicht zuletzt auch durch «hethitische Staatsdokumente». Kolb hatte erklärt, Troja als Handelszentrum darzustellen sei eine «völlig absurde» Szenerie. Die Stadt habe eine wichtige Handelsfunktion gespielt, erklären dagegen die Archäologen. Gefunden wurden minoische, mykenische und zyprische Keramik, Fayence, Elfenbein, Straußeneier, anatolische und mykenische Siegel.

Die Grabungsmannschaft in Troja zitiert den Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Gernot Wilhelm von der Universität Würzburg, der Kolbs «skandalöse Diffamierung» für ungerechtfertigt hält. An der von Kolb in Abrede gestellten Unterstadt von Troja sei «kein vernünftiger Zweifel» möglich. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für das Projekt Troja gegebene Geld sei eine «ausgezeichnete Investition», stellt Prof. Wilhelm fest. Von der Bedeutung Trojas zeugen nach Auffassung der Grabungsmannschaft ein in den Felsen geschlagener Graben auf einer Strecke von mehr als 600 Metern. Er gehöre zu einer Befestigung. Der mit einer Toranlage verbundene Damm zum Überqueren des Grabens sei in der Tat eine «Autobahn für Streitwagen» gewesen.

Die Grabungswissenschaftler in Troja bedauern, dass die Einladung nach Troja «von keinem der Kritiker wahrgenommen wurde». Zur Grabungsmannschaft gehören Wissenschaftler aus elf Ländern, darunter Professoren aus Cincinnati/USA, Athen, Moskau, Sofia und Ankara.
dpa


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