Angebliche Mumie ist möglicherweise ein Mordopfer

Ein als archäologische Sensation gefeierter Mumienfund könnte sich als Mordopfer entpuppen: Die Grabbeigaben einer vermeintlich 2.500 Jahre alten Mumie aus Pakistan sind höchstens 40 bis 50 Jahre alt, haben Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg festgestellt. Die Mumie selbst dürfte kaum älter sein, vermuten die Wissenschaftler.
Um das Alter des Fundes zu bestimmen, untersuchte Gerhardt Morgenroth vom Lehrstuhl für experimentelle Physik Proben aus einem Tuch und einer Bastmatte, die dem Leichnam beigelegt waren. Es stellte sich heraus, dass die Materialien viel zu viel radioaktiven Kohlenstoff enthalten, um so alt zu sein.

Die Werte können nur durch die oberirdischen Kernwaffentests in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erklärt werden, so der Forscher. Die Beigaben stammen entweder aus der Zeit zwischen 1958 und 1960, als der Grad an Radioaktivität noch anstieg, bevor die Atomtests verboten wurden. Oder sie stammen aus dem Zeitraum zwischen 1992 und 1994. Bis dahin war das Maß an Radioaktivität auf einen entsprechenden Wert abgesunken.

"Somit stellten sich zumindest die zur Mumie beigelegten Materialien als Fälschung heraus", sagt Morgenroth. In den nächsten Wochen sollen weitere Untersuchungen an Knochen und Muskelgewebe der Mumie klären, ob auch die Leiche aus jüngerer Zeit stammt. Eventuell handelt es sich dann sogar um einen aktuellen Mordfall. "Ich vermute, dass es sich um eine moderne Leiche handelt", sagt Morgenroth gegenüber der Stuttgarter Zeitschrift "bild der wissenschaft". "Wer hat schon eine echte Mumie und steckt sie in einen falschen Sarg?"

Vor einem Jahr war die Mumie einer 20- bis 40-jährigen Frau in Pakistan entdeckt worden. Wie im alten Ägypten üblich, war der Leichnam in einem doppelten Sarg bestattet, einem inneren aus Stein und einem äußeren aus Holz. Die Frau trug eine Krone aus Gold und eine goldene Brustplatte, die sie als Ruduamna, Tochter des persischen Königs Xerxes, ausweist. Xerxes lebte im 5. Jahrhundert vor Christus. Der Fund galt als archäologische Sensation. Hüfte und Rücken der Faru waren gebrochen. Auffällig war außerdem, dass ihr vermutlich noch zu Lebzeiten die Zähne ausgerissen wurden.

Nun häufen sich die Hinweise, dass es sich bei der Mumie um eine Fälschung handelt. Die Inschriften des Sarkophages scheinen lediglich abgeschrieben zu sein. Die Keilschrift enthält zudem grammatikalische Fehler. Auch computerthomographische Untersuchungen geben Hinweise auf eine moderne Leiche. "es ist ein sehr interessanter Fund, egal ob er echt ist oder eine Fälschung", sagt Asma Ibrahim vom National Museum of Pakistan. Bilder der Mumie haben die pakistanischen Forscher ins Internet gestellt.
Cornelia Pfaff


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