Steht Nofretetes Mumie schon längst im Museum?

Kaum ein altägyptisches Königspaar ist so berühmt und gibt gleichzeitig so viele Rätsel auf wie Echnaton und seine Frau Nofretete, die im 14. Jahrhundert vor Christus lebten. Insbesondere die Todesumstände und der Verbleib der Leichname liegt im Dunkeln. Jetzt hat die britische Ägyptologin Susan James in der Zeitschrift KMT, A Modern Journal of Ancient Egypt die These aufgestellt, dass Nofretete möglicherweise schon seit über 100 Jahren als Mumie Nr. 61070 im Ägyptischen Museum von Kairo liegt.
Die Mumie 61070 wurde 1898 von dem französischen Archäologen Victor Loret in einer königlichen Grabkammer gefunden und war seither unter dem Namen "Ältere Dame" bekannt. Nach der Haaranalyse hat man sie zunächst für Königin Teje gehalten, die Mutter von Echnaton. Allerdings gab es Unstimmigkeiten: Die Ältere Dame war bei ihrem Tod noch gar nicht so alt, wie ihr Name vermuten lässt - sie war etwa 24 bis 34. Die Königin Teje ist aber nach Erkenntnissen der Ägyptologen mit über 40 gestorben. Von Nofretete hingegen vermutet man, dass sie um 1340 v. Chr. im Alter von 28 oder 29 Jahren starb. Die Mumie passt auch in der Gestalt zu der berühmten Kalksteinbüste von Nofretete, die im Ägyptischen Museum in Berlin steht. Besonders auffällig ist James zufolge das so genannte Philtrum, die Rinne zwischen Nase und Oberlippe. Es ist sowohl an der Nofretete-Büste sehr hervorgehoben als auch bei der Mumie. Auf Porträts von Königin Teje ist das Philtrum jedoch nicht so ausgeprägt.

Das beste Verfahren, die Identität der Mumie zu klären, wäre natürlich eine DNA-Analyse. Die sei in diesem Fall nicht möglich, wie die Hamburger Ägyptologin Renate Germer erklärt, die ebenfalls die Mumie untersucht hat: "Nofretete ist nicht die Mutter von Tutenchamun, der Echnaton auf den Thron gefolgt ist und dessen Mumie bereits gefunden wurde. Und wir haben nicht die Mumien ihrer Eltern."

Die Schwierigkeit der Klärung der Todesumstände von Echnaton und Nofretete liegt vor allem in der Religion begründet, die Echnaton eingeführt hatte. Er erhob den Kult um Aton zur Staatsgottheit, führte damit erstmals eine monotheistische Religion ein und entmachtete die Priesterschaft des vorherigen Amun-Kultes. Er befasste sich in seiner Regierungszeit mehr und mehr mit dem Kult um die Gottheit Aton und vernachlässigte seine Regierungsgeschäfte. Dadurch kam es zum Zusammenbruch des Staates, und es brachen von Amun-Priestern unterstützte Revolten aus.

Wie, wann und woran Echnaton und Nofretete starben, ist ungeklärt. Man vermutet in der Ägyptologie, dass nach beider Tod alles niedergerissen wurde, was mit Echnaton und seinem Aton-Kult, der vom Volk insgeheim kaum angenommen worden war, zu tun hatte und dass die Leichname entweder absichtlich unkenntlich gemacht oder von geheimen letzten Anhängern beiseite geschafft worden sind.
Doris Marszk


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