Ägypter mumifizierten Leichname schon 500 Jahre früher als gedacht

Lange Zeit waren Ägyptologen davon ausgegangen, dass die Mumifizierung der Toten erst mit dem Pharaonenreich um 3.000 vor Christus eingeführt wurde. Ausgrabungen in Hierakonpolis, der ersten Hauptstadt Ägyptens, brachten nun drei 5.600 Jahre alte Frauenmumien ans Tageslicht. Damit sind die ältesten Mumien ganze 500 Jahre älter als die bislang bekannten, wie Renee Friedman vom Britischen Museum berichtet.
Die drei Frauen hatten Verbände ausschließlich um ihren Kopf und um ihre Hände gewickelt. Die Forscher gehen davon aus, dass man zu Beginn der Mumifizierung zunächst einmal die zerbrechlicheren Knochen zusammenband. Dies sollte dem Toten ermöglichen seine Aktivitäten, wie zum Beispiel Essen, auch im Reich der Toten fortzusetzen. "Gerade beim Kiefer und den Fingerknochen besteht die Gefahr, dass sie bei der Skelettierung des Körpers verloren gehen", so Friedman. Der Rest des Körpers erhielt sich in dem heißen, trockenen Wüstensand sehr gut.

Alle drei Frauen stammen aus einer prähistorischen Gesellschaft, etwa 500 Jahre vor dem ersten Pharao. Sie waren Arbeiterinnen, möglicherweise Weberinnen und waren auf einem Arbeiterfriedhof des alten Hierakonpolis beigesetzt. 170 der insgesamt 2.000 Körper im Friedhof wurden bislang ausgegraben. Da in den Männergräbern jede Art von Verband fehlt, gehen die Forscher davon aus, dass als erstes Frauen mumifiziert wurden.

Bei einer der drei Frauen wurde die Kehle nach dem Tod vor dem Verbinden rituell durchschnitten. Daher meinen die Wissenschaftler, die Ägypter könnten den Mythos des Gottes Osiris nachgespielt haben. Osiris war nämlich von einem rivalisierenden Gott getötet und enthauptet worden, bevor er wieder zusammengesetzt wurde und wieder auferstand. Außerdem könnte diese Deutung einen alten Begräbnistext erklären: "Setze deinen Kopf zurück auf deinen Körper, sammle deine Knochen zusammen", erklärt Friedman.
Birgit Kahler


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