Computer-Animation lässt javanische Figuren wieder tanzen

Der Tanz gehört zu den vergänglichsten Künsten. Bis zur Erfindung des Films gab es eigentlich keine Möglichkeit, ihn für eine Nachwelt festzuhalten. Im Prambanan-Komplex, einer der bedeutendsten archäologischen Stätten der hinduistisch-javanischen Kultur aus dem 5. bis 14. Jahrhundert in Zentral-Java, hatte man genau diesen Versuch unternommen: Man hatte Tanzbewegungen in Stein gehauen. Jetzt hat eine Archäologin der Universität Oxford diesen Tanz zum Leben erweckt - indem sie sowohl die Reliefs als auch die alten Schriften studierte und aus den gewonnenen Erkenntnissen eine Computer-Animation schuf. Ihr Projekt hat sie in "Internet Archaeology" beschrieben.
Die Pramabanan-Bauten weisen 62 einzigartige Reliefs von Tanzszenen auf, die an der äußeren Balustrade des Haupttempels angebracht sind. Sie sind dem Gott Siwa gewidmet, der ursprünglich eine indische Gottheit war und von dem es hieß, er hege eine besondere Liebe zum Tanz. Jedes Relief (das Foto zeigt einen Ausschnitt) stellt eine einzelne Tanz-Phrase dar und sollte vermutlich mit den anderen Reliefs eine Sequenz aus Tanz-Bewegungen darstellen.

Alessandra Lopez y Royo Iyer, Archäologin an der Universität Oxford, hat diese Reliefs genau betrachtet und sie mit Schriften über Tanz aus jener Kultur verglichen. Nach ihren Erkenntnissen handelt es sich durchaus um realistische Abbildungen und nicht, wie andere Archäologen und Kunsthistoriker vor ihr vermuteten, um eine Art Tanz-Symbolik. Leider sind die Schriften aus jener Zeit, die sich mit dem Tanz beschäftigen, in nichts vergleichbar mit heutigen Tanzbeschreibungen, sondern eher poetische Abhandlungen über den Tanz als solchen.

Alessandra Lopez y Royo Iyer musste sich mit den Details der Reliefs beschäftigen, um die Bewegungen zu rekonstruieren. Um das Ergebnis dieser Arbeit festzuhalten, entschloss sie sich, daraus eine Computeranimation zu machen. Sie hätte auch einen Tänzer die Bewegungen ausführen lassen und ihn dabei auf Video aufnehmen können, doch schien ihr bei diesem Verfahren zu viel subjektiver Ausdruck beteiligt zu sein.

Für die Computer-Animation nutzte sie das Computer-Programm "LifeForms 3.0.1", das für Mac und PC erhältlich ist. Es ist eine 3-D-Animation für menschliche Figuren, die es dem Nutzer auch erlaubt, Bewegungsideen in Zeit und Raum zu skizzieren.

Mit ihrer Arbeit will Lopez nicht nur den Tanz früherer Jahrhunderte aus Stein zum Leben erwecken und erforschbar machen. Sie will gleichzeitig durch die Einbeziehung von Computer-Animation in die Archäologie für diese Forschung neue Impulse geben.
Doris Marszk


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