Kleine Eiszeit ließ Wikinger ihre Grönlandfarmen aufgeben

Jahrhunderte lang rätselten Wissenschaftler, was die Wikinger gezwungen haben könnte, ihre Kolonien in Grönland aufzugeben. Archäologische Untersuchungen mit moderner Technik geben nun dem Klimawandel im 14. Jahrhundert die Hauptschuld. Das berichtet die New York Times.
600 Jahre lang lag die Wikingerfarm bei Nipaatsoq in Grönland unter Gletschersand begraben, bis zwei Jäger sie 1990 zufällig entdeckten. Ausgrabungen unter Leitung von Jette Arneborg brachten seitdem ungefähr 2.000 Artefakte ans Tageslicht, die alle darauf hindeuten, dass die Wikinger in Ruhe zusammengepackt und ihre Siedlung aufgegeben haben. Archäologische Analysen sowie Bodenproben und Pollenuntersuchungen ergaben, dass nicht wie lange vermutet kriegerische Auseinandersetzungen zu einer Aufgabe der Siedlung geführt haben, sondern ein Klimawandel.

"Bodenuntersuchungen haben gezeigt, dass Mitte des 14. Jahrhunderts die "Kleine Eiszeit", ein Leben an Grönlands nördlicheren Küsten unerträglich machte?, so Charles Schweger, Archäologie Professor der Universität von Alberta. Es entstand ein Gletscher unweit der Farm, der das Trinkwasser eintrübte und dessen Sturzbäche jede Menge Sand und Geröll auf den Weiden hinterließen.

Die Auswirkungen schlagen sich deutlich im archäologischen Befund nieder. Der zunehmende Fischanteil anstelle von Rinder- und Schafsknochen zeigt, dass Weidewirtschaft kaum noch möglich war. Auch mussten die Weber ihre Schafswolle mit der Wolle von Karibu, Polarbär, Fuchs und Wolf mischen. "Selbst in der Architektur der Farm schlägt sich die Kälteperiode nieder?, so Joel Berglund, ein weiterer Grabungsleiter. Um mehr Wärme zu erzeugen, formierten sich die einst aneinandergebauten Erdgebäude nun zu einem großen Haus mit einem Dach.

Die Farm war Teil einer westlichen Siedlung, die die Wikinger um 1000 nach Christus errichteten. Als die Wikinger 1350 die Siedlung aufgaben, war diese wahrscheinlich bereits auf eine Größe von 1.500 Menschen angewachsen.
Birgit Kahler


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Ein philosophisch anmutender Roman, in dessen Mittelpunkt die Suche nach einer plötzlich verschwundenen jungen Wissenschaftlerin steht. Die Exaktheit der Wissenschaft steht der Unschärfe der Wirklichkeit gegenüber.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe