Dürreperioden ließen alte Kulturen untergehen

Moderne komplexe Gesellschaften verkraften kurze Dürreperioden während eines Jahres oder auch bis zu einem Jahrzehnt noch gut. Doch wie würden unsere Gesellschaften reagieren, wenn über mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte kaum Regen fällt? Beispiele von vier vergangenen Kulturen der Neuen und Alten Welt zeigen, dass als Folge von langen Dürreperioden ganze Völker abwanderten, Menschen die großen Städte verließen oder dass sogar komplexe Staaten zusammenbrachen. Dieses Ergebnis von Peter B. deMenocal vom Lamont Doherty Earth Observatory der Columbia University, veröffentlichte die Zeitschrift Science.
Um herauszufinden, wie moderne Gesellschaften auf zukünftige Klimaveränderungen reagieren könnten, untersuchte deMenocal an vier vergangenen Kulturen deren Reaktion auf klimatische Veränderungen. Vergleiche der archäologischen und paläoklimatischen Geschichte der letzten 11.000 Jahre machten deutlich, dass der Kollaps des Akkad-Reiches (4.200 vor unserer Zeit), des klassischen Maya-Reiches (1.200 vor unserer Zeit), des Moche-Reiches (1.500 vor unserer Zeit) und des Tiwanaku-Reiches (1.000 vor unserer Zeit) in direktem Zusammenhang mit einer Klimaveränderung ? einer lang andauernden Dürreperiode ? stand. Gut datierte paläoklimatische Aufzeichnungen beweisen, dass das Klima im Holozän (ab 11.700 vor unserer Zeit) von mehreren weitläufigen Kälteperioden durchsetzt und nicht wie bislang angenommen stabil war.

Der Untergang der vier großen Reiche ist demnach nicht länger nur auf menschliche Faktoren wie Kriege, Überbevölkerung, Abholzung oder mangelnde Resourcen zurückzuführen. Vielmehr reagierten die Gesellschaften auf einen unvorhergesehenen Umweltstress folgendermaßen: Sie verringerten ihre soziale Komplexität, verließen die Stadtzentren und organisierten woanders neue Versorgungs- und Produktionssysteme. Wie die Geschichte zeigt, sind komplexe Gesellschaften klimatischen Veränderungen nicht hilflos ausgeliefert, sondern sie müssen sich nur neu organisieren.


Birgit Kahler


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