Wie die alten Ägypter auf die Pyramiden gekommen sind

Wie sind die alten Ägypter eigentlich auf die Idee gekommen, sich Steinbauten ausgerechnet in Pyramidenform in ihr Reich zu stellen? Farouk El-Baz von der Boston University glaubt, die Antwort gefunden zu haben: Die Ägypter wurden inspiriert von den Wüstensandgebilden, die im Westen ihres Reiches nach dem Wechsel des Klimas vom Savannen- zum Wüstenklima entstanden waren. Seine Erkenntnisse hat El-Baz in der Zeitschrift "Archaeology" veröffentlicht.
Ägypten bestand nicht seit ewigen Zeiten zum größten Teil aus Wüste. Bis vor etwa 5000 Jahren war dort, wo heute Wüste ist, Savanne. Davon zeugen etwa fossile Straußeneierschalen, die von Archäologen gefunden wurden. Da die meisten Ägypter jedoch am Nil lebten und ihre Felder im Einklang mit den wechselnden Jahreszeiten bewirtschafteten, stellt sich die Frage, was die Menschen in diesem Land denn schon von der Wüste wussten. El-Baz nimmt an, dass Nomadenstämme der Dürre entflohen und in Richtung Nil wanderten. Diese Nomaden waren seiner Meinung nach die Träger der "Wüstenweisheit". Sie hatten das Land durchwandert und dies vornehmlich bei Nacht getan, um der Hitze des Tages zu entgehen. Dadurch erwarben sie, ganz nebenbei, auch astronomische Kenntnisse, da ihnen der Nachthimmel zur Orientierung diente. Als die Nomaden auf die Nilbauern stießen, kam es zu einer fruchtbaren Vermengung von Wissen und Erfahrung, die die Entstehung der ägyptischen Hochkultur förderte.

Was die Nomaden in der Wüste gesehen hatten, waren nicht nur Formen natürlicher Schönheit, die dadurch entstanden waren, dass im früheren feuchten Klima Steinmassen durch Wassererosion vielerlei Gestalt angenommen hatten. Sie haben vermutlich auch feststellen können, dass der Wüstenwind, der zu ihrer Zeit herrschte, den pyramidalen Formen nichts anhaben konnte, weil er sich entlang der Seiten bewegte und sich in Richtung der Spitze auflöste. Diese Resistenz gegenüber Winderosion ist, so El-Baz, übrigens einer der Gründe dafür, dass die Pyramiden von Gizeh das einzige der sieben Weltwunder sind, die bis heute erhalten geblieben sind.

Nach diesen Annahmen ist es kein Zufall mehr, meint El-Baz, dass nur etwa dreihundert Jahre nach dem Klimawechsel in Ägypten unter König Djoser die erste Pyramide entstand, die Stufenpyramide in Saqqara.

Doris Marszk


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