Schon in der Steinzeit praktizierten "Zahnärzte"

Schon in der Steinzeit gab es offenbar "Zahnärzte". Für diese Vermutung sprechen 8.000 Jahre alte Kieferfunde in Pakistan, die ein Archäologe der University of Missouri-Columbia näher untersucht hat. Dies berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Andrea Cucina, Archäologe an der University of Missouri-Columbia, hat mit einem internationalen Team eine steinzeitliche Stätte in Mehrgarh (Balutschistan) untersucht. Die Stätte ist 8.000 bis 9.000 Jahre alt, gehört also etwa in die ausgehende mittlere Steinzeit (Mesolithikum) oder in die beginnende Jungsteinzeit (Neolithikum).

Die Menschen, die hier lebten, hatten bereits Ansätze einer Zivilisation: Sie bauten Getreide an, hielten Vieh und fertigten Schmuck aus Türkis und Amethyst. Möglicherweise verstanden sie sich auch auf die Zahnheilkunde: Andrea Cucina entdeckte beim Säubern des Kiefers eines Mannes in einem Backenzahn ein kleines, sauber ausgebohrtes Loch.

Für das Loch könnte es auch andere Gründe geben als einen Besuch beim Steinzeit-Zahnarzt, der den Zahn vielleicht wegen Fäulnisbefall aufgebohrt hat. So könnte das Loch im Zahn auch aus Schmuck-Gründen hineingebohrt worden sein. Das gibt in diesem Fall aber wenig Sinn, weil es sich um einen Backenzahn handelte, der von außen nicht sichtbar ist. Es könnte sich auch um ein Loch handeln, das eine Bedeutung in der Begräbniszeremonie gespielt hat und nach dem Tod des Mannes gebohrt worden ist.

Doch um das Loch herum gab es Kauspuren. "Er nutzte diesen Zahn definitiv, bevor er starb", erklärt Cucina. Natürlich könnte das Loch im Zahn einfach ein Loch sein, wie es durch Bakterien entsteht. Doch dies konnten die Forscher mit einem Blick durch ein Elektronenmikroskop ausschließen. Das Loch war zu perfekt gerundet, als dass es durch Bakterien entstanden sein könnte. Die schlüssigste Erklärung ist also immer noch die, dass hier der Steinzeit-Zahnarzt praktiziert hat. Möglich wäre, dass er dem Patienten auch eine Füllung aus Pflanzen oder einer anderen Substanz gemacht hat.

Doris Marszk


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