Archäologe stellt Spiegel wie vor 9.000 Jahren her

Bereits vor 9.000 Jahren waren die Bewohner der neolithischen Siedlung Chatal Hüyük in Anatolien ohne technische Innovation in der Lage, Spiegel herzustellen. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des experimentellen Archäologen James F. Vedder. Mit den vor Ort verfügbaren Materialien gelang es Vedder, einen Obsidianbrocken zu schleifen und zu einem Spiegel zu polieren, berichtet das Archaeological Institute of America.
Acht polierte Obsidiangegenstände aus Chatal Hüyük wies der Ausgräber Mellaart als Spiegel aus. Bislang waren Archäologen überzeugt, dass zu deren Herstellung besondere technische Kenntnisse erforderlich waren. Vedder konnte in seinem Experiment beweisen, dass dies nicht der Fall war. Aus dem südlich gelegenen Taurusgebirge und einigen nördlich gelegenen Vulkanen konnten die Menschen leicht Material zum Schleifen und Polieren beschaffen. Am Ort selbst gab es Ton, Flussmergel und Gras.

Der größte von Vedder hergestellte Spiegel war vier mal sechs Zentimeter groß. Die meiste Zeit musste er für das Polieren aufwenden und erhielt dann eine leicht konvexe Spiegelfläche, wie sie auch die Chatal Hüyük Spiegel aufweisen. Die Spiegel lieferten alle ein gutes Bild.

Über die Verwendung der Spiegel herrscht in Fachkreisen noch immer Uneinigkeit. Der Ausgräber Mellaart hält sie für ein Schminkutensil der Frauen. Andere gehen davon aus, dass die Spiegel der Beleuchtung dienten, zum Feuermachen verwendet wurden oder gar bei diversen Zeremonien als Spiegel der Seele gebraucht wurden.

Chatal Hüyük war während des 7. Jahrtausends vor Christus 700 Jahre lang besiedelt. Berühmt geworden ist es durch seine Wandmalereien und die vielen Tier- und Menschendarstellungen. Derzeit graben dort Ian Hodder von der University of Cambridge und eine Gruppe von der University of California, Berkeley.

Birgit Kahler


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