Mumien-Portraits enthüllen neurologische Erkrankungen

Anhand von Gesichtszügen und Schädelstrukturen von 1600 Jahre alten Porträtmumien haben Wissenschaftler des National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London Merkmale neurologischer Erkrankungen entdeckt. Mindestens vier der 200 untersuchten Ägypter litten an neurologischen Störungen, berichtet das Journal of Neurology, Neurosurgery und Psychiatry.
In zwei Fällen kamen die Mumienärzte zu dem Schluss, dass die Abgebildeten unter dem seltenen Romberg-Syndrom litten. Bei dieser Krankheit schwindet das Gewebe in einer Gesichtshälfte, die Betroffenen leiden unter Migräne und epileptischen Anfällen. Bei drei Mumien deutete ein starkes Schielen auf Störungen des autonomen Nervensystems hin. In einem Fall war die Pupille verlagert: Ein eindeutiger Fall von "Korektopie", einer Störung, die häufig in Zusammenhang mit Diabetes steht.

Die vermutlich aus dem vierten Jahrhundert nach Christus stammenden Portraitmumien wurden vorwiegend in der Oase Fayum gefunden, etwa siebzig Kilometer südwestlich von Kairo. Sie entstanden unter römischem Einfluss. Anders als die Mumienmasken aus pharaonischer Zeit sind diese Mumien nicht mit einem Idealbildnis, sondern der detaillgetreuen Darstellung einer bestimmten Person versehen.

Durch die Positionierung der Bildnisse am Kopfende der Mumie entsteht der Eindruck, der Mumifizierte blicke einen aus seiner Mumienhülle an. Auf diese Weise konnten die Verstorbenen, deren Mumien in einem besonderen Raum aufgestellt wurden, noch eine Zeit lang für die Angehörigen "präsent" bleiben. Einige Zeit später setzte man die Mumien in einfachen Gruben bei.

Die Bildnisse zeigen die Menschen meist in ihren besten Jahren. Vermutlich war die Anfertigung eines Bildes aber sehr teuer und nur für eine kleine Oberschicht erschwinglich. Der englische Ägyptologe Sir Flinders Petrie stellte bei seinen Ausgrabungen in Hawara fest, dass auf etwa 100 undekorierte Mumien nur eine einzige Portraitmumie kam. Heute sind etwas mehr als 750 Mumienportraits bekannt.

Die untersuchten Portraits entstammen dem British Museum in London und dem Metropolitain Museum of Art in New York.
Irina Lorenz-Meyer


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