Antike Papyrusrollen in Italien entschlüsselt

Mehr als 1.800 Papyrusrollen aus der antiken Ruinenstadt Herculaneum am Golf von Neapel können nach italienischen Presseberichten jetzt vollständig entschlüsselt werden.
Durch eine neue Technik des amerikanischen Forschers Steven Booras werde auf den stark verkohlten Schriftrollen Unsichtbares sichtbar, berichtete die italienische Zeitung "La Repubblica" am Samstag. Experten sprachen von einer Sensation. Die Schriften sollen von Philosophen und Dichtern Epikur (341-271 v.Chr.), Aristoteles (384-322 v.Chr.) und Vergil (70-19 v.Chr.) stammen.

Bei der neuen Methode sind den Angaben zufolge die Papyrusrollen mit Spezial-Digitalkameras durch mehrere eigens hergestellte Spezialfilter fotografiert worden. "Dadurch werden auch kleinste chemische Differenzierungen" festgestellt, hieß es. So könnten selbst kleinste Tintenreste sichtbar gemacht und bisher nicht entschlüsselbare Texte gelesen werden.

Herculaneum war ebenso wie die Nachbarstadt Pompeji 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vesuvs verschüttet worden. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die unter Lava begrabene Anlage entdeckt, Ausgrabungen begannen Jahrzehnte später und wurden im 20. Jahrhundert intensiviert. "Am Anfang war nicht klar, dass diese - äußerst brüchigen Baumstämmen ähnlichen Rollen Bücher waren", sagte der Herculaneum-Forscher Prof. Marcello Gigante, "heute kann man alles lesen, als wäre es schwarz auf weiß, das ist ein kleines Wunder."

Booras hat die langwierige Arbeit mit den Spezialkameras vor kurzem abgeschlossen, hieß es. Jetzt befänden sich seine Aufnahmen neben den äußerst wertvollen Originalen in der Papyrus-Abteilung der Nationalbibliothek von Neapel und stünden Forschern zur Verfügung. Die Rollen stammen aus einer teils noch verschütteten Prachtvilla, die Julius Cäsars Schwiegervater Lucio Calpurnio Pisone und seinen Nachfahren gehörte. Booras war laut "La Repubblica" bereits an der Entschlüsselung von Maya-Fresken und der Schriftrollen vom Toten Meer beteiligt.

dpa


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