Tempel an den Nasca-Scharrbildern entdeckt

Bei den geheimnisvollen Bodenzeichnungen von Nasca sind erstmals kleine Tempel entdeckt worden. Dr. Markus Reindel identifizierte drei zusammengefallene Steinhaufen, die direkt an den Linien liegen, als Kultbauten der Nasca-Kultur (200 v.Chr bis 600 n.Chr.).

Der Forscher der Bonner Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie (KAVA) ist vor vier Jahren angetreten, das Rätsel der peruanischen Scharrbilder zu lösen. Dabei setzt er weniger auf spektakuläre Gedankengebäude, als auf penible archäologische Grabungsarbeit. Das Geheimnis um die prähistorischen Wüstenlinien läßt sich nur lösen, so Reindel, "wenn man Mensch, Umwelt und Geschichte des Landstrichs mit einbezieht. Die isolierte Betrachtung der Scharrbilder bringt gar nichts." Unterstützt von der Schweizerisch-Lichtensteinischen Stiftung für Archäologische Forschung hat der deutsche Archäologe in den letzten Jahren erst einmal nach den Zeugnissen der Menschen gesucht, die bei den Linien lebten und von denen die Bilder geschaffen wurden. Dabei entdeckte er zwei große Siedlungen mit aufwendigen Gräbern und vom Wasser zerstörten Wohnanlagen.

Jetzt hat er in drei regellos erscheinenden Steinhaufen mit bis zu sechs Metern Durchmesser gemörtelte Mauern, Kürbiskerne, Maiskolben und Textilreste, vermutlich Weihopfer, gefunden. Vor allem aber hat er "erstaunlich viele" Spondylus-Muscheln aus dem Steingewirr gesammelt. Diese unscheinbare Meeresmuschel kommt so weit im Süden Perus nicht vor. In Ecuador und dem Norden Perus taucht sie alljährlich mit dem weihnachtlichen El Nino-Phänomen auf, das dort Regen bringt. Die Spondylus-Muschel war deshalb auch in Südperu das Parade-Symbol für Fruchtbarkeit und Wasser. Und Wasser war das, was die Bewohner der lebensunfreundlichen peruanischen Küstenwüste am meisten brauchten, um zu überleben. Kultische Weihgaben und die Regenmacher-Muschel Spondylus in einem Bauwerk auf den Nasca-Linien ? für Reindel ein klarer Beweis für ein religiöses Arrangement: Kleiner Tempel oder großer Altar.

Michael Zick

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