Klein Caesar aus dem Meer gehoben ? die Büste wird im April der Öffentlichkeit vorgestellt

Kürzlich wurde die vermeintliche Büste des Caesarion, dem Sohn von Kleopatra und Julius Caesar, aus dem Meer gehoben - drei Jahre nach ihrer Entdeckung durch den französischen Marinearchäologen Franck Goddio. Am 12. April soll "Klein Caesar" dann nach einer 6-wöchigen Entsalzungskur zum ersten Mal im British Museum, London, in der Ausstellung "Cleopatra of Egypt: From History to Myth" der Öffentlichkeit präsentiert werden.

"Bislang hat noch niemand die Büste außerhalb des Wassers gesehen, so dass die geplante Ausstellung Wissenschaftlern erstmals die Gelegenheit geben wird, die Büste zu untersuchen und sie mit zeitgenössischen Portraits zu vergleichen", sagt Susan Walker, stellvertretende Wärterin der griechisch-römischen Altertümer. Um zu verhindern, dass die Büste an der Luft verwittert, hatte man sie vorsorglich die letzten drei Jahre im Meer vor Ägypten belassen. Dort ruhte die Büste aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, seit mehrere Erdbeben die alte Stadt Alexandria zwischen 320 und 1303 nach Christus auf den Meeresgrund hatten versinken lassen.

Die Meinung, dass es sich bei der Büste um Caesarion, offiziell Ptolemäus XV., handeln könnte, vertrat als erste die Wissenschaftlerin Sally-Ann Ashton vom Petrie Egyptology Museum am University College London. Vor allem das breite, flache Gesicht und das Kinn mit einer starken Linie unter der Lippe brachten sie auf die Idee. Beide Merkmale sind typisch für Königsportraits aus der Ptolemäer-Zeit. Walker hingegen sieht vor allem in der Haartracht der Büste das entscheidende Merkmal: "Im Brooklyn Museum of Art steht ein Portrait, das gemeinhin als Portrait Caesarions anerkannt ist und die Haartracht stimmt mit der von der Büste überein." Außerdem würde das Gesicht der Büste sehr stark einem Statuenfragment aus dem ägyptischen Museum in Turin ähneln, das Kleopatra zugeschrieben wird. Von Caesarion existieren lediglich eine handvoll Abbildungen.

Dass die Büste aus dem ersten Jahrhundert vor Christus stammt, bestreitet auch Jack Josephson nicht, ein führender Experte ägyptischer Königsskulpturen der Spätzeit. Doch sei die Identifizierung der Büste mit Caesarion nichts weiter als eine Vermutung, betont Josephson.

Caesarion kam 47 vor Christus als Sohn Julius Caesars und Kleopatra VII. zur Welt. Als Caesar 44 vor Christus ermordet wurde, kehrte Kleopatra mit Caesarion nach Ägypten zurück und arrangierte möglicherweise den Tod ihres jüngeren Bruders Ptolemäus XIV., um ihrem eigenen Sohn den Weg auf den Thron frei zu machen. 34 vor Christus erschien Caesarion mit dem Titel "König der Könige" in Alexandria, während Kleopatra mit dem damaligen römischen Führer Markus Antonius eine Verbindung einging. Vier Jahre später jedoch ließ Octavian, der zukünftige Kaiser Augustus, Caesarion töten. Aus war der Traum Kleopatras, Ost und West unter Führung ihres Sohnes in einem großen Reich zusammenzuschließen und sie tötete sich durch einen Schlangenbiss.

Birgit Stöcklhuber

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