Archäologen rätseln über riesige Begräbnisstätte der Langobarden in Mecklenburg

Mühlen Eichsen in Mecklenburg, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Schwerin, war vermutlich zu keiner Zeit eine rauschende Metropole. Auch nicht in den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt, als hier noch die Langobarden lebten, die es später nach Italien verschlagen würde. Dennoch fanden Archäologen genau hier eine zentrale Begräbnisstätte mit etwa 5000 bis 7000 Einzelgräbern. Ein Forscherteam des dortigen Landesamtes für Bodendenkmalpflege und der Universität Jena steht vor einem Rätsel. Rund 2500 Gräber haben die Forscher bereits freigelegt, in den nächsten Jahren soll das Grabungsprojekt - eines der größten in Deutschland - abgeschlossen sein.

Aufgrund des Alters der Gräber - sie stammen ungefähr aus der Zeit zwischen 600 v. Chr. und 100 n. Chr. - kann man davon ausgehen, dass es sich um die sterblichen Überreste von Langobarden handelt, einem westgermanischen Stamm, der um diese Zeit in dieser Gegend lebte.

Die Toten wurden verbrannt und die Knochenreste anschließend eingesammelt und in getöpferten Urnen bestattet. Anhand der Knochenfunde wollen die Wissenschaftler eine DNA-Analyse vornehmen. Denn eine ganze Reihe von Gräbern sind mit größeren Steinen abgedeckt und auffällig mit kreisförmigen oder rechteckigen Steinpackungen umgeben, die bis zu fünf Durchmesser groß sind. "Die Gründe für diesen Ritus kennen wir nicht", sagt Grabungsleiter Peter Ettel von der Universität Jena. Möglicherweise handelt es sich um Familiengräber. Dies könnte die DNA-Analyse klären. Grabbeigaben fanden sich nur wenige. Meist handelte es sich um die Überreste von Kleidungsstücken sowie um Nadeln, Spangen und Fibeln.

Das größte Rätsel ist aber, wie es dazu kam, dass über einen Zeitraum von immerhin 700 Jahren so viele Tote aus einem Umkreis von mehreren Kilometern zentral in Mühlen Eichsen bestattet wurden. "So etwas finden wir aus der vorchristlichen Zeit in diesen Dimensionen nur selten in Nordeuropa", erklärt Ettel. Bisher gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass die Region damals ein größeres Handels- oder auch nur Siedlungszentrum gewesen ist. Aufschluss erhofft sich das Archäologenteam daher aus dem Vergleich mit ähnlich lange genutzten vorzeitlichen Friedhöfen, zum Beispiel in der Lausitz.
Doris Marszk


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