Irak entdeckt sein reiches Kulturerbe wieder

Die Archäologen beginnen mit Restaurierungsarbeiten, Ausgrabungen und spüren gestohlene Fundstücke auf
Golfkrieg, brennende Ölraffinerien, Armut soweit das Auge reicht. Dieses Bild hat sich uns eingeprägt. Doch inzwischen erwacht der Irak langsam aus seiner Nachkriegslethargie. Im letzten April öffnete das National Iraq Museum wieder. Restaurierungsarbeiten und Ausgrabungen werden wieder aufgenommen.

Die meisten Gebäude im alten Bagdad stammen aus der Ottomanen-Zeit (14. bis Anfang 20. Jahrhundert). Mit ihren fein durchgestalteten Fassaden stehen sie in starkem Kontrast zu den hässlichen Wohnsilos der 70er und 80er Jahre, die in Anlehnung an die sowjetischen Vorbilder errichtet wurden. Der Golfkrieg und die anschließenden UN-Sanktionen hatten die Restaurationsarbeiten beinahe zum Erliegen gebracht. Erst jetzt sind sie wieder am Aufblühen.

Bagdad versucht jedoch nicht nur die Architektur der letzten Jahrhunderte wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Auch das noch viel ältere kulturelle Erbe der Jahrtausende vor Christus, als die Sumerer und Akkader und später die Assyrer und Babylonier über das einstige Mesopotamien und weit darüber hinaus regierten, will Bagdad bewahren und schützen.

Überall in den Wüstengebieten Iraks schlummern versunkene Städte, zu erkennen an den Tells, sogenannten Ruinenhügeln, in denen die Überreste von bis zu 6000 Jahre alten Städten begraben sind. Städte mit Tempelanlagen, Palästen und Friedhöfen aus Lehmziegeln. Solche Fundstätten wurden im Chaos nach dem Krieg 1991 und den Jahren der Armut ausgeplündert. Auch aus den Regionalmuseen verschwanden 4000 Fundgegenstände, manchmal durch organisierte Schmugglerbanden. Bislang konnte der Antikendienst nur hilflos zusehen. Jetzt plant er einen neuen Ansatz um gegen derartige Plünderungen vorzugehen. Mit Hilfe des benachbarten Jordanien konnte Irak bereits Tausende gestohlener Fundstücke wieder finden. Dennoch bleibt viel zu tun.

"Um die Fundstätten zu schützen, müssen Arbeiter und Wachpersonal vor Ort sein," sagt der Archäologe Donny George. "Bislang hat sich diese Methode zu 100 Prozent ausgezahlt." In den letzten zwei Jahren haben Archäologen an 21 bedrohten Stätten mit Ausgrabungen begonnen.

Im April 2000 öffnete das National Iraq Museum zum ersten Mal seit dem Golfkrieg wieder seine Pforten. Die wertvollen Fundstücke hatte man über ein Jahrzehnt dort versteckt gehalten, um sie vor Diebstahl und Zerstörung zu schützen. Jetzt sind die Schätze wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Darunter auch kunstvolle Elfenbeinschnitzereien, große assyrische Wandreliefs und ein sumerischer Marmorkopf. (BBC News)

Birgit Stöcklhuber

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