4.700 Jahre alte Tempelanlage in Wales entdeckt

Älter und größer als Stonehenge
Archäologen haben in Hindwell (3 Meilen östlich von New Radnor in Powys), Wales, die bislang größte steinzeitliche Tempelanlage in Westeuropa entdeckt. Sie ist 30 mal größer als Stonehenge.

In einem sechs Jahre dauernden Projekt haben Forscher herausgefunden, dass der weitläufige heilige Bezirk 1.400 Obelisken aus Holz enthielt. Die Dimensionen sind enorm: Jeder der Eichenstämme ragte vermutlich bis zu 7 Meter in die Luft. Alle zusammen formten ein Oval mit einem Umfang von 2,4 Kilometern. Am westlichen Ende entdeckten die Archäologen den Haupteingang, der von knapp zwei Meter dicken Stämmen flankiert war, die möglicherweise bis zu über 9 Meter in den Himmel aufragten.

Die Archäologen gehen davon aus, dass die Stätte eine religiöse Funktion hatte. Ein Rätsel bleibt jedoch, wem und was geopfert wurde. Interessant ist, dass der zentrale Platz eine natürliche Quelle zu sein scheint. In unmittelbarer Nähe wurde eine Art Heiligtum errichtet. Der Komplex wurde vielleicht deshalb so weitläufig angelegt, um weitere heilige Stätten einzubinden. So fanden die Archäologen 460 Meter nordwestlich der Quelle ein weiteres Heiligtum, sowie 180 Meter nordöstlich einen Platz für weitere Rituale. Der Haupteingang war in Richtung Sonnenuntergang zur Sommersonnwende ausgerichtet, also dem Punkt an dem die Sonne nach dem längsten Tag im Jahr verschwindet.

Untersuchungen haben ergeben, dass der umgrenzte Platz 3.000 Jahre lang sauber gehalten wurde: Außerhalb des Ovals fanden die Forscher eine normale Menge an Flint (Feuerstein, zur Herstellung von Steinwerkzeugen und zum Feuerschlagen verwendet) und anderen vorgeschichtlichen Fundstücken. Innerhalb jedoch herrschte nahezu Fundleere. "Sie müssen den Platz extrem sauber gehalten haben?, so Dr. Alex Gibson, einer der Archäologen, der für Clwyd-Powys Archaeological Trust die letzten sechs Jahre dort geforscht hat.

Der Ort blieb von säkularen menschlichen Aktivitäten unberührt und bestand von seiner Errichtung 2.700 vor Christus ab, durch das Neolithikum, die Bronze- und Eisenzeit hindurch.

Da auch aus dem frühen Neolithikum Spuren menschlichen Treibens fehlen, nehmen die Forscher an, dass der Platz sogar schon vorher tabu war, vielleicht von 4.000 vor Christus an. Die Archäologen glauben weiterhin, dass normalen Menschen nicht nur der Zugang zu diesem heiligen Platz verwehrt wurde, sondern dass sie auch keinen Blick auf das Innere des Heiligtums richten durften. Deshalb waren die einzelnen Obelisken wahrscheinlich bis auf ein Drittel ihrer Höhe durch Holzplanken verbrettert worden.

Der Tempel war mit ziemlicher Sicherheit für die Priester reserviert, die in spirituellem Kontakt mit den Göttern und Vorfahren standen. Als die Römer einmarschierten vernichteten sie die heiligen Stätten der Bewohner und errichteten darauf ihr Lager. (The Independent)
Birgit Stöcklhuber


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