Würzburger Archäologen erstellen das Who's Who einer altorientalischen Stadt

 Eine altorientalische Keilschrifttafel aus dem 14. Jahrhundert v.Chr. Sie gehört zu den rund 5.000 Urkunden aus der altorientalischen Stadt Nuzi, an deren Entzifferung und Auswertung Wissenschaftler aus Würzburg arbeiten.
Eine altorientalische Keilschrifttafel aus dem 14. Jahrhundert v.Chr. Sie gehört zu den rund 5.000 Urkunden aus der altorientalischen Stadt Nuzi, an deren Entzifferung und Auswertung Wissenschaftler aus Würzburg arbeiten.
Steuerzahler, Wehrpflichtige und Empfänger von Versorgungsleistende müssen nicht erst seit der Moderne verwaltungsmäßig erfasst werden. Bereits im Alten Orient legten Beamte und Schreiber gleichsam "Datenbanken" über die Bevölkerung an. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben solch eine Datenbank in Form von Keilschrift-Tafeln aus der Region um die heutige Stadt Kirkuk (Irak) gesichtet und wollen daraus ein "Who's Who" erstellen.

Die Hieroglyphen der Ägypter und die Keilschrift Mesopotamiens (heute Irak) sind die ältesten Schriftsysteme der Menschheit. Die Keilschriftdokumente wurden nicht nur auf einem besonders billigen "Datenträger" festgehalten, sondern auch auf einem hitzebeständigen, nämlich auf Tontafeln. Während normalerweise Feuer der Feind alles Geschriebenen ist, tut ein Brand den Tontafeln geradezu gut: Dadurch wurden die ursprünglich meist nur an der Sonne getrockneten Tafeln im Feuer hart und dauerhaft wie Ziegel. In Vorderasien, d.h. in der heutigen Türkei, Syrien und dem Irak sind hunderttausende solcher Tontafeln bisher geborgen worden.

Dem Wissenschaftler-Team um den Würzburger Archäologen Gernot Wilhelm geht es darum, Tontafeln zu sammeln, die aus der gleichen Zeit und der gleichen Region stammen, um ein Who's Who zu erstellen. Geeignet für dieses Vorhaben erscheint ihnen das 730 Tontafeln umfassende Archiv eines altorientalischen Prinzen und Großgrundbesitzers von Nuzi (heute Kirkuk) aus dem 14. Jahrhundert.

Bei dem Archiv des Prinzen handelt es sich um Personallisten, Listen von Empfängern von Getreide-, Öl- und Wollzuteilungen, Quittungen, Briefe und Gerichtsurteile sowie Darlehensverträge, Adoptionsverträge und Testamente.

Damit die Tafeln kein Datenfriedhof bleiben, müssen die vermerkten Individuen innerhalb des sozialen Netzwerks so weit wie möglich ermittelt werden. "Eine solche Auswertung erlaubt es, die wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Verhältnisse einer altorientalischen Region sehr genau zu rekonstruieren und vermittelt gleichzeitig ein lebendiges Bild einer seit Jahrtausenden vergangenen Zeit," erklärt Wilhelm.
Doris Marszk


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