600.000 Jahre alte Steinwerkzeuge verraten, dass unsere Vorfahren ihr Leben planten

Zwei verschiedene Arten der Werkzeugherstellung geben Einblick in die Denk- und Arbeitsweise der Menschen während der Altsteinzeit vor mehr als 500.000 Jahren. Dies fanden jetzt amerikanische und indische Archäologen bei ihren Arbeiten im Steinbruch Isampur Quarry in dem südindischen Bundesstaat Karnataka heraus.

Der Steinbruch diente vermutlich Angehörigen der Gruppe des Homo Erectus dazu, Material für Steinwerkzeuge zu gewinnen, die sie in Acheuléen Tradition (vor 600.000 - 400.000 Jahren) fertigten. Charakteristische Merkmale der Acheulean Werkzeuge sind Faustkeile und Steinbeile, benannt nach ihrer Form und Funktion. Die ersten dieser Art tauchten vor 1,6 Millionen Jahren in Afrika auf und verbreiteten sich von dort aus über den Nahen Osten nach Europa und Indien. In manchen Orten behielt man diese Technologie über einen Zeitraum von 200.000 Jahren bei. Schon lange rätseln die Forscher warum sowohl Form als auch Herstellungstechnik über einen so langen Zeitraum gleich blieben. Waren es die stabilen geographischen und klimatischen Bedingungen oder die unerschöpflichen Vorräte an Rohstoffen? Sie wissen es nicht.

Die Werkzeuge aus dem Steinbruch lassen erstmals Schlussfolgerungen über die Denk- und Arbeitweise der Menschen dieser Zeit zu. So wurden die langen, spitzen Faustkeile aus anderen Steinsegmenten hergestellt als die Hackbeile (Cleaver) mit flacher Klinge. Das beweist, so Michael Petraglia von der Smithonian Institution in Washington D.C., dass diese Menschen mit einer konkreten Absicht zum Steinbruch kamen. Sie kannten die mechanischen Möglichkeiten des Werkstoffes und setzten das Material entsprechend ein. Sie kalkulierten mit ihren Erfahrungen, planten und dachten voraus.

Die Archäologen untersuchten auch Werkzeuge, die einige Kilometer vom Steinbruch entfernt lagen. Sie stellten fest, dass diese wiederholt geschärft wurden, während die aus der Nähe keine Spuren von Reparaturen aufwiesen. "Diese Tätigkeit ist typisch für spätere Generationen von Werkzeugmachern." so Petraglia.

Für die Wissenschaftler ist somit klar: "Der Isampur Steinbruch bietet erstmals die Möglichkeit das Verhalten dieser frühen Menschen kennenzulernen. Eine kuriose Mischung wie sich herausstellte, ohne moderne Vergleichsbeispiele."

Marion Herzog und US Today
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