Grüne Signatur einstiger Kultur

Dieser Wald im Amazonasgebiet besitzt auffällig viele nutzbare Pflanzenarten. (Foto: Eglee Zent)

Einige Teile des Amazonas-Regenwalds scheinen noch Natur pur – unbeeinflusst vom Menschen. Doch das ist nicht unbedingt der Fall, berichten Forscher: Bis heute prägen Pflanzenarten Teile des Regenwalds, die von indigenen Völkern vor Tausenden von Jahren kultiviert wurden. Möglicherweise lässt sich dieser Zusammenhang bei der Suche nach verborgenen historischen Stätten nutzen, sagen die Forscher.

"Einige der Baumarten, die heute in den Amazonaswäldern reichlich vorhanden sind, sind wohl deshalb so zahlreich, weil sie einst von Menschen angepflanzt wurden, die dort lange vor der Ankunft der europäischen Kolonisten lebten", resümiert Co-Autor Nigel Pitman vom  Chicago's Field Museum das Ergebnis der Studie. Ihm und seinen Kollegen gelang die Entdeckung durch die Kombination von Daten aus mehr als 1.000 Walduntersuchungen und Karten von mehr als 3.000 archäologischen Stätten im Amazonasgebiet. Durch den Vergleich der Artenzusammensetzung im Wald in unterschiedlichen Abständen von den einstigen Siedlungen dokumentierte die Forscher erstmals, wie die geheimnisvollen präkolumbianischen Völker des Amazonasgebiets die Biodiversität nachhaltig beeinflusst haben.

Typisch für archäologische Stätten

Die Untersuchung konzentrierte sich auf 85 Pflanzenarten, von denen bekannt ist, dass sie von den einstigen Amazonas-Völkern in den letzten tausend Jahren kultiviert wurden. Ihre landwirtschaftliche Kultur begann Funden zufolge bereits schon vor 8000 Jahren. Die Forscher konnten zeigen, dass im ganzen Amazonas-Becken diese Arten überproportional häufig vertreten sind – beispielsweise Kakao-Pflanzen oder Paranuss-Bäume.

Außerdem zeigte sich: In der Nähe von archäologischen Stätten waren die domestizierten Arten besonders häufig und auch vielfältig. "Das gilt sogar für einige wirklich abgelegene Wälder, die wir typischerweise als unberührt und ungestört angesehen haben", sagt Pitman. Seine Kollegin Carolina Levis von der Universität Wagenigen ergänzt: "Den Einfluss der präkolumbianischen Völker auf die Wälder haben ökologische Studien bisher  vernachlässigt". Ihr zufolge sind diese Pflanzen aber auch heute noch für die hier lebenden Menschen sehr wichtig.

Hinweise für Archäologen?

Die Forscher räumen allerdings ein, dass die Frage "Was war zuerst - Huhn oder Ei" berechtigt ist: Es könnte theoretisch sein, dass die Menschen einst Siedlungsorte wählten, wo es bereits viele nutzbare Pflanzen gab – demnach hätten sie diese dort nicht angepflanzt. Doch die Wissenschaftler halten dies für unwahrscheinlich. Denn ihre Analysen lieferten Hinweise darauf, dass einige der nutzbaren Pflanzenarten im Umfeld von historischen Stätten wachsen, obwohl es sich eigentlich um untypische Habitate für diese Spezies handelt. Sie scheinen also dort gezielt angepflanzt worden zu sein.

Da heute wieder dichter Urwald viele einstige Siedlungsgebiete bedeckt, war archäologische Forschung im Amazonasbecken bisher sehr schwierig. Doch die Funde der letzten Jahre machen klar: Einst lebten hier an vielen Orten Menschen. Warum sie wieder verschwanden ist nicht genau bekannt. Den Forschern zufolge lässt sich der Zusammenhang zwischen der Flora und den einstigen Siedlungen nun möglicherweise gezielt nutzen: Wo es besonders viele domestiziere Arten gibt, könnten sich im Urwald unentdeckte historische Stätten verbergen. Archäologen könnten also dort bevorzugt suchen, um den Geheimnissen der einstigen Amazonas-Kulturen auf die Spur zu kommen.

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