Die Pest kam schon in der Steinzeit nach Europa

Dieser jungsteinzeitliche Tote aus einen Grab bei Augsburg trug bereits den Pesterreger in sich (Foto: Stadtarchäologie Augsburg)

Der "Schwarze Tod" hat im Laufe der Geschichte Millionen von Menschen getötet. Immer wieder sorgte die Pest für verheerende Seuchen. Jetzt enthüllen Genanalysen von Toten aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit: Der Pesterreger gelangte schon vor rund 4800 Jahren aus Asien nach Europa. Eingeschleppt wurde das Pestbakterium wahrscheinlich von Steppennomaden, die damals nach Mitteleuropa einwanderten und die Entwicklung vieler früher Kulturen entscheidend veränderten und prägten.

Die Pest hat in Europa eine jahrhundertelange Geschichte. Im 14. Jahrhundert versetzte der "Schwarze Tod" Europa in Angst und Schrecken und entvölkerte ganze Landstriche: Die Pest tötete damals mindestens ein Drittel der Bevölkerung in Europa, möglicherweise sogar die Hälfte. Bereits zuvor, in der Spätantike, könnte die justinianische Pestepidemie mitverantwortlich für den Zusammenbruch des oströmischen Reiches gewesen sein. Erreger der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis. Dieses befiel ursprünglich nur Tiere wie den Rattenfloh, sprang dann aber irgendwann auch auf den Menschen über. Wann dieser Artsprung geschah, ist jedoch bislang unbekannt. Ebenfalls nur in Teilen geklärt ist, wann der Pesterreger erstmals nach Europa gelangte. Denn genetische Studien deuten darauf hin, dass Yersinia pestis ursprünglich aus Asien kommt.

Pest-DNA in jungsteinzeitlichen Toten

Um mehr über die europäische Frühgeschichte dieser Seuche zu erfahren, haben Aida Andrades Valtueña vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und ihre Kollegen mehr als 500 prähistorische Proben von menschlichen Zähnen und Knochen aus sieben Ländern Europas untersucht. Die Proben stammten von Skelettfunden, die zwischen 4800 und 3700 Jahre alt waren. Sie stammen damit aus einer Zeitperiode von der späten Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit. Bei sechs dieser Toten gelang es den Forschern, das Erbgut des Pesterregers zu isolieren und dessen DNA zu sequenzieren. 

Dabei zeigte sich: Bereits vor rund 4800 Jahren – und damit am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit - trugen Menschen in Europa den Pesterreger in sich. Wie die Forscher feststellten, waren zudem alle sechs aus den Toten isolierten DNA-Sequenzen von Yersinia pestis genetisch eng miteinander verwandt. Die Gensequenzen zeigten zudem große Übereinstimmungen mit zwei bereits zuvor analysierten Pestgenomen aus dem russischen Altaigebiet. "Das spricht dafür, dass es einen gemeinsamen Ursprung für diese Bakterien gibt, der wahrscheinlich in Zentralasien lag", sagt Valtueña. "Unseren Ergebnissen nach wurde Yersinia pestis vor rund 4800 Jahren aus der zentralasiatischen Steppe nach Europa eingeschleppt und etablierte dort ein lokales Reservoir, bevor dieser Erreger später wieder nach Osten zurückkehrte."

Von Steppennomaden eingeschleppt

Doch wer brachte die Pest damals nach Europa? Um dies zu untersuchen, werteten die Wissenschaftler archäologische und genetische Daten zu prähistorischen Migrationsbewegungen in Eurasien aus. Sie erklären: "Die späte Jungsteinzeit und die frühe Bronzezeit war eine Zeit großer kultureller und sozialer Umwälzungen. Genstudien deute darauf hin, dass etwa vor 4800 Jahren eine große Migration von Menschen aus der eurasischen Steppe einerseits westwärts nach Mitteleuropa und andererseits ostwärts nach Sibirien und Zentralasien gab." Der Einstrom von Steppennomaden wie den Jamnaja nach Europa veränderte die Lebensweise und Kultur der jungsteinzeitlichen Europäer tiefgreifend und hinterließ auch bis heute nachweisbare genetische Spuren in unserem Erbgut.

Nach Ansicht der Forscher liegt es nahe, dass im Zuge dieses Einstroms von Menschen und Tieren nach Europa auch das Pestbakterium eingeschleppt wurde. "Wir finden auffallende Parallelen zwischen dem Verbreitungsmuster von Yersinia pestis und den Wanderungsbewegungen der Menschen dieser Zeitperiode", konstatieren Valtueña und ihre Kollegen. Ob der Pesterreger damals schon Seuchen verursachte, lässt sich allein anhand der bisherigen Daten jedoch nicht feststellen. Die Forscher halten es aber nicht für ausgeschlossen, dass Seuchenausbrüche in der eurasischen Steppe sogar mitverantwortlich dafür waren, dass die Jamnaja und andere Steppennomaden westwärts in neue Gebiete zogen. "Die Bedrohung durch Infektionen mit Yersinia pestis könnten einer der Gründe für die erhöhte Mobilität während des Übergangs von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit gewesen sein", sagt Koautor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Auf der Flucht vor der Seuche schleppten die Steppennomaden dann den Erreger auch nach Europa ein.

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