Vom Eise befreit

In den Juvfonne, ein Feld aus Toteis, haben norwegische Wissenschaftler einen Tunnel getrieben, um Alter und Konsistenz des Eises zu erforschen. (Bild: J. Wildhagen/Palookaville)

Es war nur eine kleine Meldung, die die Neugier von bdw-Archäologie-Redakteurin Karin Schlott weckte: Norwegische Restauratoren hatten eine 1700 Jahre alte Wolltunika vorgestellt, die in den Bergen von Jotunheimen in der norwegischen Provinz Oppland gefunden worden war. Schlott begann zu recherchieren und stieß auf einen faszinierenden Bereich der Wissenschaft – die Gletscherarchäologie. "Begünstigt" wird dieser ganz eigene Forschungszweig durch die globale Erwärmung und die dadurch verbundene Eisschmelze. Inzwischen geben Gletscher in Skandinavien, den Alpen und Nordamerika Schätze preis, die teilweise über 5000 Jahre alt sind und präzise Einblicke in die Kultur und Lebensgewohnheiten der damaligen Menschen gewähren. Schlott hat daher in der Septemberausgabe von bild der wissenschaft der Gletscherarchäologie unter dem Titel "Schätze aus dem Eis" einen ausführlichen Artikel gewidmet.

"Was die Gletscherarchäologen tun", erklärt Schlott, "ist nicht ganz ungefährlich. Denn das Herumkraxeln in den Bergen und auf Eisflächen ist nichts für Unerfahrene." Aber die Wissenschaftler werden für ihre Mühen belohnt. Sie entdecken komplette Holzpfeile, mit denen Rentiere gejagt wurden, die dazugehörigen Bögen, jahrtausende alte Kleidungsstücke wie Lederschuhe und Hosen, sowie ganz normalen Müll. Allein in Oppland haben die Forscher bislang rund 1600 Fundstücke in den Eisfeldern aufgespürt. Und den meisten ist eines gemeinsam: Durch die Lagerung im Eis sind sie in einem zum Großteil sensationellen Erhaltungszustand. "Unter besonderen Bedingungen", meint Schlott, "verwittern und verfaulen die Sachen eben nicht so schnell – ähnlich wie in Ägypten, wo die extreme Trockenheit für die Konservierung uralter Funde sorgte.

Neues zu Ötzi

Natürlich kommt auch der bisher wohl berühmteste "Schatz aus dem Eis" in Karin Schlotts Artikel nicht zu kurz: die Gletschermumie Ötzi. Auf einer ganzen Seite erfahren Sie die neuesten Erkenntnisse über den 5300 Jahre alten Mann vom Tisenjoch – darunter wie er aussah, woher er stammte, woran genau er starb und was er am liebsten aß. Wie einzigartig Ötzi ist, zeigt auch, dass die Forscher trotz aller Bemühungen bisher keinen Menschen mehr im Eis gefunden haben – leider, wie der norwegische Gletscherarchäologe Lars Pilø der Autorin verriet: "Denn es ist der Traum eines jeden Gletscherarchäologen", so Pilø, "einen Ötzi zu finden."

Mit "Schätze aus dem Eis" ist Karin Schlott ein Schatz des Wissenschaftsjournalismus gelungen, der umfassend über einen Forschungszweig informiert, der noch viel zu wenig Beachtung findet aber immer mehr erstaunliche Entdeckungen macht. Überzeugen Sie sich selbst – in der aktuellen Ausgabe von bild der wissenschaft.

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