Fund am Geburtsort Buddhas

Ausgrabung im Maya Devi Tempel. Im Hintergrund beten Mönche. Credit: Ira Block/National Geographic

Zum Klang buddhistischer Gebete haben Archäologen bei einer Ausgrabung am Geburtsort Buddhas in Nepal eine spektakuläre Entdeckung gemacht: Unter den Resten verschiedener Vorgängerbauten des heutigen Maya Devi Tempels in Lumbini stießen sie auf Spuren eines hölzernen Schreins aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Es handelt sich damit um den ältesten archäologischen Fund, der den Buddismus mit einem bestimmten Jahrhundert verbindet. Eigenschaften des Gebäudes scheinen auch mit der überlieferten Geburtsgeschichte des Siddhartha Gautama, der später Buddha (Erwachter) genannt wurde, verknüpft zu sein.

 

Abgesehen von textlichen Quellen und Überlieferung ist über das Leben Buddhas nur sehr wenig bekannt", sagt Ausgrabungsleiter Robin Coningham von der britischen Durham University. Es ist nicht einmal ganz klar, wann Siddhartha Gautama überhaupt gelebt hat. Einige Experten vermuteten, er sei im 3. Jahrhundert v. Chr. zur Welt gekommen. Aus dieser Zeit stammten auch die bisher ältesten archäologischen Funde in Lumbini, die sich mit dem Buddhismus verknüpfen lassen. Die meisten Experten gingen allerdings davon aus, dass Siddhartha Gautama bereits im Jahr 623 v. Chr. geboren wurde. Die aktuellen Funde in Lumbini bestätigen dies: „Nun haben wir archäologische Zeugnisse, die bis ins sechsten Jahrhundert v. Chr. reichen", betont Coningham.

 

Es handelt sich um die Spuren eines Gebäudes aus Holz, die unter einer Serie von Folge-Bauten aus Ziegeln verborgen lag. Datierungen mittels Radiokarbon- und Lumineszenz- Analysen offenbarten schließlich das hohe Alter des Gebäudes. Es besaß den strukturellen Untersuchungen zufolge in der Mitte einen offenen Bereich. Hier fanden die Archäologen Spuren eines Baumes, um den das Gebäude wahrscheinlich einst errichtet worden war. Dies könnte ihnen zufolge im Zusammenhang mit der überlieferten Geburtsgeschichte des Siddhartha Gautama stehen: Seine Mutter soll ihn zur Welt gebracht haben, während sie sich mit den Armen an den Ästen eines Baumes in einem Garten in Lumbini festhielt.

 

Der Geburtsort Buddhas: Dornröschenschlaf und Wiederentdeckung

 

Lumbini befindet sich heute in Nepal, damals war es hingegen Teil des nordindischen Fürstentums Kapilavastu. Der historische Buddha, Siddhartha Gautama, wurde hier als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren. Der Überlieferung nach erkannte er im Alter von 29 Jahren, dass Reichtum und Luxus nicht die Grundlage des Glücks sind. Um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden, erkundete er fortan verschiedene Religionen und Philosophien. Nach sechs Jahren der Askese, des Studiums und der Meditation soll er dann schließlich unter einem Baum sitzend das Erwachen (Bodhi), seine Erleuchtung, erfahren haben. Bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren widmete er sich dann dem sogenannten Dharma - der Unterweisung und Weitergabe seiner Lehre.

 

Schon bald nach dem Tod Buddhas avancierte Lumbini zu einer buddhistischen Pilgerstätte, wie historische Aufzeichnungen belegen. Bauten wurden hier im Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch neuere ersetzt und dabei zerstört oder verschüttet. Doch im Mittelalter geriet die Anlagen dann offenbar in Vergessenheit: Der Urwald wucherte sie zu und versetzte den Geburtsort Buddhas in einen Dornröschenschlaf. Er endete im Jahr 1896: Die Anlage wurde wiederentdeckt – inklusive einer Stele aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., deren Inschrift verkündete, dass es sich um den Geburtsort Buddhas handelte. Heutzutage kommen jedes Jahr wieder hunderttausende Pilger nach Lumbini, um zu meditieren. Etwa eine halbe Milliarde Buddhisten gibt es weltweit. Die aktuellen Funde belegen nun die Entwicklung des Buddhismus von einer kleinen Gruppe Gläubiger zu einer Weltreligion. Die archäologische Forschung in Lumbini wird auch von der UNSECO unterstützt: "Wir sind sehr stolz darauf, an dieser wichtigen Entdeckung an einem der heiligsten Orte einer der ältesten Religionen der Welt beteiligt zu sein", sagt UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova.

 

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