Der Trank der mexikanischen Pyramidenbauer

Teotihuacán, Credit: Thinkstock

Der Agave-Pflanze haben die Mexikaner gleich zwei alkoholische Getränke zu verdanken: Neben Tequila wird auch das Nationalgetränk Mexikos - Pulque - aus dem stacheligen Gewächs gewonnen. Bereits die Azteken schätzten den milchigen Agaven-Wein, doch offenbar ist das Gebräu noch deutlich tiefer in der mexikanischen Geschichte verwurzelt: Schon die Bewohner der geheimnisvollen Pyramiden-Stadt Teotihuacán tranken gern Pulque. Das haben Forscher durch Analysen von Gefäß-Scherben nachgewiesen.

Eine weitläufige Ruinenstadt mit gewaltigen Monumentalbauten: Teotihuacán ist eine der beeindruckendsten prähistorischen Stätten Amerikas. Die Stufentempel und die gewaltige Sonnenpyramide sind Zeugnisse einer faszinierenden Hochkultur. Zwischen 100 und 650 nach Christus war die Stadt das kulturelle Zentrum Mesoamerikas. Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung beherbergte Teotihuacán möglicherweise bis zu 100.000 Einwohner. Ab etwa 650 schwand ihr Einfluss, bis sie um 750 aus noch nicht vollständig geklärten Gründen verlassen wurde. Als sich das Reich der Azteken ausbreitete, war Teotihuacán bereits seit Jahrhunderten eine verlassene Ruinenstadt.

Dass die Atzteken gern Pulque tranken, ist gut belegt. Sie becherten das Gebräu offenbar aus Kelchen in der Form eines Affen. Vermutlich symbolisierte das Tier den berauschten Zustand des Trinkenden. Abbildungen aus präkolumbianischer Zeit ließen bereits vermuten, dass die Tradition der Herstellung von Agaven-Wein bereits schon vor der Zeit der Azteken existierte. Doch nachweisen ließ sich das bisher nicht, da die Bestandteile von Pulque wasserlöslich sind und deshalb in Keramiken keine Spuren hinterlassen – das nahm man jedenfalls bisher an. Doch die Forscher um Richard Evershed von der University of Bristol sind dem Getränk nun doch auf die Spur gekommen – und zwar durch eine weitere Besonderheit, die Pulque auszeichnet: seine mikroskopischen Produzenten.

Spuren mikroskopischer Alkohol-Produzenten

Die Fermentation des Agavensaftes zu dem zwei- bis sechsprozentigen Wein erfolgt nämlich nicht durch Hefe - wie bei den meisten anderen alkoholhaltigen Gär-Getränken - sondern durch Bakterien der Art Zymomonas mobilis. Die Forscher konnten mittels Gas-Chromatografie nun charakteristische Spuren von Zellbestandteilen dieser Mikroben auf Scherben aus Teotihuacan nachweisen. Sie stammten von Amphoren-artigen Gefäßen, die offenbar typischerweise der Aufbewahrung von Pulque dienten, berichten Evershed und seine Kollegen.

Den Forschern zufolge brachte der Agaven-Wein den Bewohnern Teotihuacáns möglicherweise nicht nur fröhliche Stimmung, sondern stellte auch eine Art Nahrungsergänzung dar. Die überwiegend auf Mais basierende Ernährung in der präkolumbianischen Großstadt lieferte nämlich vermutlich bestimmte Nährstoffe nicht in ausreichenden Mengen. Pulque könnte in diesem Zusammenhang wichtige Aminosäuren, Vitamin C sowie Eisen und Zink geliefert haben. Darüber hinaus hatte das Bakterien-Gebräu möglicherweise auch eine Art probiotische Wirkung, sagen die Forscher.

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