Mumien-Falke starb an Zwangsüberfütterung

Falken besaßen im alten Ägypten wichtigen Symbolcharakter. Credit: Thinkstock

Tiermumien sollten die Götter erfreuen: Im alten Ägypten wurden massenweise Symbol-Tiere mumifiziert und den Göttern geopfert – so auch unzählige Falken, die dem Gott Horus geweiht waren. Doch woher stammten all diese Opfertiere? Eine makabere Entdeckung belegt nun, dass sie gleichsam industriell gezüchtet wurden: Die Untersuchung einer Falken-Mumie belegt Verfahren der Zwangsfütterung. In diesem Fall hatten es die Züchter allerdings übertrieben: Der Falke erstickte an einer Maus, die nicht mehr in den überfüllten Magen passte.

„Bisher war die enorme Anzahl von gefunden Raubvogel-Mumien ein Rätsel", sagt die Ägyptologin Salima Ikram von der American University in Cairo. „Haben sie die Vögel gefangen und getötet oder tote Tiere gesammelt? Unsere Ergebnisse klären nun, warum es so viele gab. Das Konzept von Raubvogelhaltung mit Zwangsernährung war bisher unbekannt", so Ikram.

Bisher sind die Anzeichen dieser Praxis wohl unentdeckt geblieben, weil normalerweise den Vogel-Mumien die Innereien fehlen. Sie wurden zur Mumifizierung entfernt, das Tier anschließend getrocknet, in Harz getaucht und schließlich bandagiert. Doch in einigen Fällen verzichtete man offenbar auf das Ausweiden der Vögel. So jedenfalls bei der Falkenmumie mit der Bezeichnung SACHM 2575, die aus dem Iziko Museums of South Africa in Kapstadt stammt.

An einem Mäuseschwanz erstickt

Durch computertomografische Untersuchungen blickten Ikram und ihre Kollegen nun ins Innere dieser Falken-Mumie. So konnten sie sehen, was der Vogel am Tag seines Ablebens zu sich genommen hatte: Sie entdeckten die Überreste eines Spatzes und von Mäusen im Verdauungstrakt des Tieres. Die letzte Maus war offenbar zu viel gewesen: Ihr Schwanz steckt noch im Hals des Vogels, woran er wohl letztlich erstickte. Den Forschern zufolge geht aus diesem Befund hervor: Das Tier wurde gestopft. „Als wir sahen, wie viel der Turmfalke aufgenommen hatte und wie er erstickt war, wurde uns klar, wie die alten Ägypter es schafften, so viele Raubvögel zu mumifizieren", sagt Ikram. Man hielt die Vögel demnach massenhaft und zwangsernährte sie, um sie rasch wachsen zu lassen.

Der Einsatz bei Raubvögeln erscheint nun überraschend, doch generell war bereits bekannt, dass die alten Ägypter zu Zwangsernährungs-Maßnahmen griffen: Das Stopfen von Mastgänsen ist aus Darstellungen bekannt. Bis heute wird dieses umstrittene Verfahren in einigen Ländern eingesetzt. In Deutschland ist es verboten, doch in Frankreich müssen Stopfgänse nach wie vor für die Produktion von Leberpastete herhalten. Es wurde zum nationalen und gastronomischen Kulturerbe erklärt und ist dadurch von französischen Tierschutzgesetzen ausgenommen.

Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe