Buchstäblich alter Käse

 Credit: Thinkstock
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Vom Gouda bis zum Camembert ? die ?Duftspuren? der rund 5.000 heutigen Käsesorten reichen oft weit zurück in der Geschichte. Doch wann und wo das grundlegende Konzept "Käse" entstand, ist weitgehend unklar. Nun haben Forscher den bisher ältesten direkten Nachweis von Käseproduktion entdeckt: Sie fanden Spuren von Milchprodukten an Resten von löchrigen Tongefäßen aus Polen, die aus dem 6. Jahrtausend vor Christus stammen. Die damaligen Menschen nutzten sie offenbar als Siebe, um die Käse-Rohmasse von der Molke zu trennen, sagen die Forscher um Melanie Salque von der University of Bristol.
Er schmeckt nicht nur gut, Käse hat auch noch weitere große Vorteile: Er ist im Vergleich zu Milch lange haltbar und macht sie außerdem für Menschen mit einer Laktoseintoleranz bekömmlich. Heutzutage vertragen zwar die meisten Europäer den Milchzucker in Rohmilch, zu Beginn der Entwicklungsgeschichte der Milchwirtschaft gab es diese Anpassung aber noch nicht, sagen die Wissenschaftler. Wie die meisten heutigen Asiaten konnten auch die frühen Europäer Laktose nicht verdauen ? Milch verursachte dadurch schmerzhafte Blähbäuche. Erst die Fermentation eröffnete das Potenzial der Milch als Nahrungsquelle, denn sie verwandelt Laktose in allgemein bekömmliche Milchsäure. Gleichzeitig wird bei der Käseherstellung der größte Teil des restlichen Milchzuckers mit der Molke abgetrennt.

Es gab bereits zuvor Nachweise, dass Menschen in prähistorischer Zeit Milchprodukte nutzten - beispielsweise im Nordwesten Anatoliens schon vor 8.000 Jahren. Bei den entsprechenden Funden war aber nicht feststellbar, ob es sich um Gefäße für die Käseproduktion handelte oder ob sie der Herstellung anderer Formen fermentierter Milch dienten, wie beispielsweise Joghurt. Bei den Funden aus Polen ist das nun anders, da es sich um offensichtliche Käserei-Utensilien handelt, sagen die Forscher.

Durch die Löcher sickerte einst Molke

Die siebartigen Tongegenstände aus dem 6. Jahrtausend waren schon seit einiger Zeit bekannt, und es war auch bereits vermutet worden, dass die damaligen Menschen sie zur Käseherstellung nutzten. Allerdings hätte es auch sein können, dass die Siebstruktur anderen Anwendungen diente, wie beispielsweise dem Trennen des Honigs von den Waben. Melanie Salque und ihre Kollegen konnten durch chemische Analysen nun allerdings bestätigen, dass einst Milchbestandteile durch die Löcher sickerten: Sie fanden in dem Tonmaterial Rückstände von Fettsäuren, die eindeutig von Milchprodukten stammten.

Die Forscher untersuchten auch lochfreie Gefäße, die gemeinsam mit den Sieben gefunden worden waren. Bei manchen entdeckten sie ebenfalls Spuren von Milchprodukten, was darauf schließen lässt, dass sie im Zusammenhang mit den Sieben bei der Käseproduktion genutzt wurden. Bei anderen Gefäßen fanden sie dagegen keine Hinweise auf Fettsäuren aus Milch, sondern nur Spuren von Fleischprodukten. Sie dienten daher vermutlich zum Kochen, sagen die Forscher. Bei einigen weiteren Gefäßen konnten sie wiederum Beschichtungen aus Bienenwachs nachweisen. Möglicherweise kleidete diese Substanz deren Innenseiten aus und machte sie dicht. Demzufolge könnten diese Gefäße der Aufbewahrung von Wasser gedient haben.

Unterm Strich belegen die Ergebnisse die bereits facettenreiche Nutzung unterschiedlicher Keramiken in dieser Zeit, sagen die Forscher. ?Die Untersuchungen der Funde geben uns bemerkenswerte Einblicke in die Töpfe der prähistorischen Menschen?, resümiert Studienleiter Richard Evershed von der University of Bristol.
Melanie Salque (University of Bristol) et al.: Nature, doi:10.1038/nature11698

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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