Clevere Technik und Sinn für Schönes

 Wahrscheinlich von Neandertalern während der archäologischen Kultur ?Châtelperronien? hergestellter Körperschmuck aus der Grotte du Renne. (Arcy-sur-Cure, Frankreich) © Marian Vanhaeren und Michèle Julien
Wahrscheinlich von Neandertalern während der archäologischen Kultur ?Châtelperronien? hergestellter Körperschmuck aus der Grotte du Renne. (Arcy-sur-Cure, Frankreich) © Marian Vanhaeren und Michèle Julien
Eine Gruppe von Neandertalern im heutigen Frankreich produzierte schon vor über 40.000 Jahren anspruchsvolle Knochen-Werkzeuge und Schmuck. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Beurteilung von Funden, die im Zusammenhang mit Neandertaler-Knochen gemacht worden waren. Bisher vermuteten einige Experten, dass die Gegenstände eigentlich von modernen Menschen stammten und nur durch Verlagerungen mit den Neandertaler-Überresten in die gleiche Schicht gelangt waren.
Keulen schwingende Unholde ? lange Zeit war das die gängige Vorstellung von Neandertalern. Doch in den vergangenen Jahren verdichten sich zunehmend die Hinweise, dass diese archaische Menschenform durchaus nicht so primitiv war wie gedacht: Einige Funde legen nahe, dass der Neandertaler dem modernen Menschen kaum geistig unterlegen war und auch kulturelle Errungenschaften vorzuweisen hatte.

Bei der Beurteilung von Funden aus zwei Ausgrabungsstätten in Frankreich waren sich die Wissenschaftler in diesem Zusammenhang allerdings bisher uneinig. In der Grotte du Renne im Burgund und in Saint Césaire an der Atlantikküste waren Neandertaler-Knochen zusammen mit vergleichsweise hoch entwickelten Werkzeugen und Ornamenten wie durchbohrten Tierzähnen gefunden worden. Bisherige Untersuchungen der Funde hatten allerdings nahegelegt, dass die Artefakte von modernen Menschen angefertigt wurden und nicht von Neandertalern. Diesem Ergebnis widersprechen nun die Analysen der Forscher um Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Datierungen kommen zu übereinstimmenden Ergebnissen

Den Forschern ist es gelungen, Kollagen aus den Funden zu gewinnen, mit denen sie genauere Datierungen als zuvor durchführen konnten. Die Analysen ergaben für die Artefakte und auch die Überreste der Neandertaler ein Alter zwischen 44.500 und 41.000 Jahren. Es ist den Forschern zufolge daher unwahrscheinlich, dass sie aus verschiedenen Sedimentschichten zusammengetragen wurden. Dies spricht also für die Neandertaler als Produzenten der Schmuckgegenstände und Knochenwerkzeuge.

Das Ergebnis der Datierung fällt in eine spannende Epoche: Vor etwa 50.000 Jahren begann der moderne Mensch, den Neandertaler in Europa zunehmend zu verdrängen, bis dieser letztendlich ausstarb. Der intensive Kontakt der letzten Neandertalerpopulationen zum modernen Menschen könnte demnach auch zu einem kulturellen Austausch geführt haben, der sich im Fortschritt ihrer Techniken widerspiegelte, sagen die Forscher. Die Frage, ob die Neandertaler die kulturellen Errungenschaften selbst hervorgebracht haben oder ob sie diese nur von den Neuankömmlingen übernommen haben, bleibt also offen.
Jean-Jacques Hublin (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig) et al.: PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1212924109

© wissenschaft.de - Martin Vieweg


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