Füllung á la Steinzeit

 Aufsicht auf die Krone des Zahns. Die gelbe Linie umgrenzt den Teil, der vom Bienewachs bedeckt war. Credit: Bernardini et al. PLoS ONE 7(9): e44904. doi:10.1371/journal.pone.0044904
Aufsicht auf die Krone des Zahns. Die gelbe Linie umgrenzt den Teil, der vom Bienewachs bedeckt war. Credit: Bernardini et al. PLoS ONE 7(9): e44904. doi:10.1371/journal.pone.0044904
Forscher haben den möglicherweise ältesten Nachweis einer zahnmedizinischen Füllung entdeckt: Es handelt sich dabei um Spuren von Bienenwachs in einem vertikalen Riss eines 6.500 Jahre alten Zahns, der von einem Ausgrabungsort in Slowenien stammt. Wahrscheinlich linderte die Füllung die erheblichen Zahnschmerzen, die durch die Reizung des Zahnbeins entstanden waren, berichten die Forscher um Federico Bernardini Abdus vom Salam International Centre for Theoretical Physics in Italien.
Die Ursprünge der Zahnheilkunde liegen weitestgehend im Dunkel der Geschichte. Der älteste bekannte Nachweis ist etwa 9.000 Jahre alt: Forscher fanden bei Ausgrabungen in Afghanistan Backenzähne, die Bohrungen aufwiesen. Mit feinen Bohrköpfen aus Feuerstein und einem Bogen entfernten die damaligen Menschen offenbar bereits die mit Karies befallenen Zahnbereiche. Füllungen waren bisher allerdings noch nicht bekannt. Der aktuelle Fund belegt nun erneut, dass die Menschen der Jungsteinzeit Zahnproblemen nicht komplett ausgeliefert waren.

Bei dem Zahn mit der Bienenwachs-Füllung handelt es sich um einen Eckzahn. Er stammt von einem Unterkieferknochen, den Forscher in einer Höhle im Norden Sloweniens entdeckt haben. Beifunde und eine Datierung durch die Radiokarbonmethode wiesen ihm ein Alter von etwa 6.500 Jahren zu. Der Zahn zeigt starke Abnutzungserscheinungen, die durch den Gebrauch der Zähne bei Webarbeiten entstanden sein könnten. Vermutlich gehörte er deshalb einer Frau, sagen die Wissenschaftler.

Detaillierte Untersuchungen offenbarten, dass die Krone des Zahns Spuren von Bienenwachs aufwies. Es bedeckte einst einen freigelegten Teil des Dentins und reichte in einen Riss hinein, der vertikal in den Zahn führt. Die Analysen legen nahe, dass die Behandlung zeitnah zum Tod der Person stattgefunden hat ? die Forscher können allerdings nicht mit Sicherheit sagen, ob davor oder danach. Rein theoretisch könnte es sich also auch um eine Behandlung im Rahmen einer Begräbniszeremonie gehandelt haben. Die zahnmedizinische Erklärungsvariante scheint den Forschern zufolge aber weitaus wahrscheinlicher. In diesem Fall handelt es sich um den frühesten Nachweis prähistorischer Zahnmedizin in Europa und um das älteste bekannte Beispiel einer therapeutischen Zahnfüllung, betonen Federico Bernardini und seine Kollegen.
Federico Bernardini Abdus (Salam International Centre for Theoretical Physics, Italien) et al.: PLoS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0044904

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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