Großes Federvieh frisst kleines Federvieh

Der Raubsaurier Sinocalliopteryx hat unter anderem kleine Ur-Vögel gefressen. Ein chinesisch-kanadisches Wissenschaftlerteam vermutet, dass sich der Raptor hervorragend anschleichen konnte, um seine Beute zu erlegen.
Für Paläobiologen ist die ostchinesische Provinz Liaoning ein Eldorado: Zahlreiche Vulkanausbrüche vor etwa 100 Millionen Jahren haben immer wieder zahlreiche Tiere innerhalb von kurzer Zeit unter sich begraben und damit für günstige Ablagerungsbedingungen gesorgt. So sind zum Teil Federn und selbst Hautreste noch erhalten.

Jetzt konnten Wissenschaftler um Lida Xing von der University of Alberta in Edmonton auch den Mageninhalt eines Sinocalliopteryx genauer bestimmen. Der etwa wolfsgroße Raubsaurier hatte am ganzen Körper feine Federn, konnte aber nicht fliegen.
Im Magen des versteinerten Raptoren fanden Xing und seine Kollegen unter anderem die Überreste von drei Confuciusornis, einer Art Ur-Vögel. Wie gut die etwa 30 Zentimeter großen Tiere tatsächlich fliegen konnten, darüber sind sich Forscher nicht einig. Vermutlich kletterte er auf Bäume und ließ sich von dort heruntergleiten.

?Sinocalliopteryx dagegen hatte keine Flügel und auch keine anderen körperlichen Anpassungen, um Bäume zu erklimmen?, erklärt Teammitglied Scott Persons. Der Biologe vermutet deshalb, dass der Raubsaurier sich stattdessen am Boden an seine Beute heranschlich, um sie zu erlegen. Besonders schwer dürfte ihm das nicht gefallen sein, denn der Ur-Vogel war viel weniger wendig als seine heute lebenden Nachfahren. Auch die Tatsache, dass im Magen des Sinocalliopteryx nicht nur ein, sondern gleich drei Exemplare von Confuciusornis nachgewiesen werden konnten, spreche für einen aktiven Jäger, so Persons weiter.
Vermutlich war das auch nötig, denn das dünne Federkleid wärmte nicht wirklich und so musste Sinocalliopteryx viel Nahrung zu sich zu nehmen, um seinen Wärmehaushalt zu decken.

Lange konnten die Überreste der Confuciusornis noch nicht in seinem Magen gelegen haben. Dafür waren die Knochen zu wenig von Magensäure zersetzt. Vollständige Skelette fanden die Forscher allerdings nicht ? lediglich Bruchstücke. Ob der Sinocalliopteryx einen Teil der Beute bereits verdaut, wieder ausgespuckt oder erst gar nicht gefressen hatte, kann nicht rekonstruiert werden.

Einen weiteren erstaunlichen Fund machten die Wissenschaftler im Magen eines anderen Sinocalliopteryx: Dessen Henkersmahlzeit war offenbar ein Sinornithosaurus gewesen, ein kleiner, ebenfalls gefiederter, etwa katzengroßer Fleischfresser. Auch er konnte vermutlich kurze Strecken gleiten oder fliegen, ernährte sich im Gegensatz zu Confuciusornis aber von Fleisch. ?Das ist der erste Nachweis dafür, dass ein Raptor als Nahrung für einen anderen Raubsaurier dient?, resümiert Scott Persons.
Lida Xing (University of Alberta, Edmonton) et al.: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0044012

© wissenschaft.de ? Marion Martin


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