Kein Weltuntergang für die Maya

 Unter einer Baumgruppe fanden Forscher den Eingang zu einem Gebäude der Maya mit wertvollen Porträts und Hieroglyphen an der Wand. Bild:Tyrone Turner © National Geographic
Unter einer Baumgruppe fanden Forscher den Eingang zu einem Gebäude der Maya mit wertvollen Porträts und Hieroglyphen an der Wand. Bild:Tyrone Turner © National Geographic
In den Ruinen der Maya-Hochburg Xultun im heutigen Guatemala haben US-Forscher Wandmalereien aus dem 9. Jahrhundert entdeckt, die neben menschlichen Figuren den bislang ältesten astronomischen Kalender der Maya zeigen. Den baldigen Weltuntergang sagt er nicht voraus.
Wenn Wissenschaftler bisher vom Maya-Kalender sprachen, meinten sie auf Papier geschriebene astronomische Tabellen aus dem 13.-16. Jahrhundert. Solche Tabellen sind zum Beispiel Teil des berühmten Dresdner Kodex, einer von vier erhaltenen Handschriften der Maya. Nun stießen Archäologen um William Saturno von der Universität Boston bei Ausgrabungen im Norden Guatemalas auf wesentlich ältere Aufzeichnungen der Maya über die Bewegungen der Planeten. Die Maya-Hochburg Xultun aus dem frühen 9. Jahrhundert war den Forschern aufgrund von Ruinenfunden schon seit 100 Jahren bekannt.Trotzdem begannen Wissenschaftler erst 2008 mit systematischen Ausgrabungen, nachdem Einheimische ein stark erodiertes Wandgemälde freigelegt hatten. Dies erwies sich als Glücksfall, denn die Wand zog die Aufmerksamkeit der Forscher auf die dahinter gelegenen Reste eines Bauwerks. Auf den geschützten Innenwänden dieses Gebäudes befanden sich zur großen Freude und Überraschung der Archäologen gut erhaltene Personenporträts und Hieroglyphen. Die Inschriften erregten die besondere Aufmerksamkeit der Forscher, denn sie sahen darin einen Hinweis auf die Zeitrechnung der Maya. Berechnungen über die Bahnen von Mond, Sonne und womöglich auch von Venus und Mars: Die Zahlen reichen 7.000 Jahre weit in die Zukunft. Die Maya gingen also nicht davon aus, dass die Welt im Jahr 2012 untergeht. Bild: William Saturno und David Stuart © National Geographic ?Der spannendste Punkt ist, dass wir jetzt erkennen, dass die Maya solche Berechnungen bereits Hunderte von Jahren früher anstellten, bevor sie diese in Kodizes aufzeichneten?, erläutert der Coautor der im Fachmagazin Science publizierten Studie, Anthony Aveni. Auf den Wänden der Ruine von Xultun fanden die Forscher zwei Tabellen mit Zahlen, welche die Maya zur Zeitrechnung benutzt haben könnten. Eine der Tabellen war umgeben von Symbolen für Mondgottheiten. Hieraus schlossen die Forscher, dass die Maya die Bewegungen des Mondes dokumentiert und anhand dessen die verstrichene Zeit gemessen hatten. Die Zahlenreihen in der zweiten Tabelle waren für die Forscher schwerer zu interpretieren, da die Überschriften der einzelnen Spalten hier nicht mehr so gut lesbar waren. Nach Meinung der Wissenschaftler spiegeln die Zahlen möglicherweise die Bewegungen von Mars und Venus wieder. Derartige Kalender dienten den Maya dazu, ihre heiligen Rituale zeitlich mit bedeutenden astronomischen Ereignissen abzustimmen, sagen die Forscher. Ihrer Ansicht nach sind die Symbole auch Ausdruck einer ganz bestimmten Weltanschauung dieses geheimnisvollen Volkes: ?Die alten Maya sagten voraus, dass die Welt weitergehen würde und dass die Dinge in 7.000 Jahren genauso sein würden wie heute?, meint Studienleiter Saturno. ?Wir sind immer auf der Suche nach irgendeinem Ende. Die Maya suchten nach einem sicheren Hinweis, dass sich nichts ändern würde. Das verdeutlicht die völlig andere Mentalität.? Hinweis: mehr zu den Maya und ihrem Kalender finden Sie in bdw 2/2012.
William A. Saturno (Boston University) et al.: Science © wissenschaft.de - Maren Emmerich
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