Auslese: Weitere Highlights der Woche im Kurzüberblick

Ein dicker Bauch bremst beim Schwimmen
Nicht nur hochschwangere Frauen haben' s schwer, auch trächtigen Delfinweibchen macht die zunehmende Leibesfülle zu schaffen. Das dokumentieren die Untersuchungen einer US-Biologin, die den Strömungswiderstand und das Schwimmverhalten der Meeressäuger analysiert hat. Der Schwangerschaftsbauch erzeugt bei den Weibchen des Großen Tümmlers demnach eine Vergrößerung der Bauchfläche um 51 Prozent. Dementsprechend ist der Bremseffekt beim Schwimmen erheblich: Die trächtigen Meeressäuger schwimmen nur etwa halb so schnell wie üblich, zeigen die Auswertungen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken und sich trotz Brems-Bauch den bestmöglichen Antrieb zu verschaffen, passen die Tiere ihren Schwimmstil an: Sie machen kleinere, aber dafür mehr Schläge mit der Schwanzflosse. Das gibt der zukünftigen Delfin-Mama offenbar eine bessere Schwimmdynamik ? und die braucht sie auch: Sie muss ausreichend Fische fangen können, denn während der Schwangerschaft sollten Delfine Fettreserven aufbauen, um später bei der Milchproduktion davon zehren zu können. (Shawn Noren, University of California at Santa Cruz: Journal of Experimental Biology, doi: 10.1242/jeb.059121)


Üble Erinnerungen lassen sich milder träumen
Träume können einer Studie zufolge wie Beruhigungsmittel auf die Gefühlswelt wirken: Sie unterdrücken die Bildung von Stresshormonen, während belastende Erinnerungen verarbeitet werden, und nehmen ihnen dadurch den Schrecken. Für die Untersuchungen legten die Forscher 34 Freiwilligen 150 emotional aufwühlende Bilder vor und untersuchten nachfolgend die Hirnaktivität der Probanden. Ein Teil der Studienteilnehmer schlief nach dem Betrachten der Bilder, eine Vergleichsgruppe dagegen nicht. Dieser Unterschied machte sich den Forschern zufolge bei den Hirnscans bemerkbar: Die Reaktionen in der sogenannten Amygdala waren bei der Schlaf-Gruppe deutlich geringer. Von dieser Hirnregion ist bekannt, dass sie für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Offenbar hatte der Schlaf den belastenden Bildern einen Teil ihrer Wirkung genommen, interpretieren die Forscher. Ihre Erklärung: Während des Träumens werden Erinnerungen reaktiviert, eingeordnet und in neue Zusammenhänge gestellt. Dieses Aufarbeiten erfolgt offenbar in einer freundlicheren Atmosphäre als im Wachzustand: Der Stresshormonspiegel ist beim Träumen niedrig, und das taucht die Erinnerungen in mildes Licht, vermuten die Wissenschaftler. Wahrscheinlich ist genau dieser Effekt des Schlafes bei Patienten mit Angststörungen nach schlimmen Ereignissen nicht effektiv genug, um ihren Erinnerungen den Schrecken zu nehmen, sagen die Forscher. (Matthew Walker, University of California, Berkeley, et al.: Current Biology doi: 10.1016/j.cub.2011.10.052,)


Neuronale Ersatzteile
US-Forschern ist es gelungen, durch die Transplantation von Nervengewebe geschädigte Hirnregionen bei Mäusen zu reparieren. Bei dem defekten Hirnbereich handelte es sich um den sogenannten Hypothalamus, der Hunger, den Stoffwechsel und die Körpertemperatur reguliert. Dementsprechend hatte die gestörte Gehirnfunktion die Nager dick werden lassen. Nach dem Eingriff verschwand diese Neigung zu Übergewicht. Konkret fehlte den Nervenzellen der Mäuse im Hypothalamus ein Rezeptor für das Hormon Leptin, das den Stoffwechsel reguliert und das Körpergewicht beeinflusst, erklären die Forscher. Die implantierten Nervenzellen stammten von Mäuseembryonen und waren dementsprechend noch nicht vollständig ausgebildet. Sie formten sich nun im Gehirn der Mäuse zu Leptin-Rezeptor tragenden Nerven aus und ermöglichten die fehlende Informationsübertragung. Der Erfolg war deutlich erkennbar: Die Tiere verloren nach der Transplantation etwa ein Drittel ihres Gewichts. Bisher war unklar, ob transplantierte Nervenzellen ebenso funktionieren wie natürlich entstandene. Die aktuelle Studie belege nun, dass die Neuronen durchaus bestimmte Schaltkreise im Gehirn wiederherstellen können, so die Forscher. (Jeffrey Macklis, Harvard University, et al.: Science, doi:10.1126/science.1209870)


Zweimal Hundeforschung: Herkunft des Haushunds geklärt und indianische Teppiche aus Hundehaaren
Der Mensch hat den Wolf in Südostasien in den Haushund verwandelt. Das geht aus den Analysen eines internationalen Forscherteams hervor, das eine Gen-Datenbank von 151 Hunderassen aus aller Welt angelegt und ausgewertet hat. Demnach entwickelten sich die ersten Haushunde nicht im Nahen Osten, wie bisher angenommen, sondern in Südostasien, vermutlich südlich des chinesischen Jangtse-Flusses. Die Forscher konzentrierten sich bei ihren genetischen Analysen auf die Y-Chromosomen. Da nur männliche Hunde ein Y-Chromosom besitzen und weitergeben, ließ sich der Stammbaum über die väterliche Linie rekonstruieren. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass alle Haushunde von nur 13 bis 24 Wolfsvätern abstammen. Die volle Spannbreite der möglichen Gen-Varianten findet sich aber nur bei den Hunden in Südostasien. Das dokumentiere, dass die Hundehaltung in Südostasien entstand und sich dann erst über die Welt ausbreitete, sagen die Forscher. Die Vierbeiner gelangten so beispielsweise auch nach Nordamerika, wo sie offenbar zu kuriosen Zwecken gehalten wurden, wie aus einer weiteren Studie hervorgeht: Das indigene Volk der Küsten-Salish fertigte einst kunstvolle Teppiche aus Hundehaaren, die von einem geheimnisvollen Wollhund stammten, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts ausgestorben ist. Die Forscher haben Teppiche und ein Fell aus einem Museum mittels Massenspektroskopie untersucht. So konnten sie belegen, dass die Textilien tatsächlich aus den Haaren des Wollhundes gewebt worden waren. Die Einführung der Schafwolle, nach Ankunft der Europäer, machte den kuriosen Hund offenbar nach und nach uninteressant. Er sei am ehesten mit dem heutigen Spitz verwandt gewesen, heißt es in der Mitteilung der britischen University of York.

Spektakulärer Sternentod
Ein internationales Team von Astronomen hat eine Aufnahme einer Supernova gemacht, die den Zustand von nur 14 Tagen nach der Explosion des Sterns repräsentiert. Tatsächlich starb der Stern allerdings schon vor Jahrmillionen, denn er ist etwa 23 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. So lange brauchten also auch die Bildinformationen, die gleich mehrere europäische Teleskope aufgefangen haben. Die Kombination dieser Aufnahmen ergab nach der Datenverarbeitung mittels eines speziellen Supercomputers in den Niederlanden das klare Bild der kosmischen Explosion. Es sei der früheste Zustand einer Supernova, der jemals in dieser Genauigkeit dokumentiert wurde, sagen die Forscher. Aus den gewonnen Daten können sie nun Informationen über die Expansionsgeschwindigkeit der Stoßwelle der Explosion gewinnen. Als Supernova wird das helle Aufleuchten eines Sterns bei seiner Explosion bezeichnet. Die Leuchtkraft nimmt dabei millionen- bis milliardenfach zu, der sterbende Himmelskörper wird für kurze Zeit so hell wie eine ganze Galaxie. (I. Martí-Vidal, Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, et al.: Astronomy & Astrophysics, doi:10.1051/0004-6361/201118195)
wissenschaft.de - Martin Vieweg


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