Kupfer oder Kultur?

Wirtschaft vs. Kultur: Den jahrhundertealten Buddhas von Mes Aynak droht die Sprengung. (Foto: Brent Huffman/SavingMesAynak.com)
Wirtschaft vs. Kultur: Den jahrhundertealten Buddhas von Mes Aynak droht die Sprengung. (Foto: Brent Huffman/SavingMesAynak.com)

Seit das zweitgrößte Kupfervorkommen der Welt nahe Kabul entdeckt wurde, wartet die afghanische Regierung darauf, das Metall zu Gold zu machen. Aber der Rohstoffhort von Mes Aynak liegt unter einer der größten archäologischen Ausgrabungsstätten der Welt – und die würde durch den Abbau zerstört.

bild der wissenschaft berichtete über das Drama der "Buddhas auf dem Pulverfass" im Februar 2013. Seither hat sich das Gesicht Afghanistans verändert. Die US-Regierung hat damit begonnen, Truppen aus dem krisengeschüttelten Land abzuziehen. Der afghanische Staat muss auf eigenen Füßen stehen. Doch Korruption, Geldknappheit und die radikalislamischen Taliban bringen ihn ins Wanken.

Schätzungsweise 100 Milliarden Dollar soll das Kupfer unter Mes Aynak wert sein. Abbauen darf es die Metallurgical Corporation of China (MCC). Die zahlte für die Schürfrechte 4 Milliarden Dollar an die afghanische Regierung. Die ersten Bagger rollten an, eine Containerstadt für die Minenarbeiter wuchs aus dem Boden. Dann schlugen Archäologen Alarm.

Buddhas auf Minengelände

Unter der Oberfläche Mes Aynaks schlummern die Überreste buddhistischer Klöster. Die Gebäude, reich bestückt mit Statuen, Schriftrollen und Artefakten, sind etwa 2000 Jahre alt. Seit 2009 durften Archäologen das Gelände untersuchen. Drei Jahre Notgrabung – diese Frist gewährte die MCC den Forschern. Kurz nachdem "bild der wissenschaft" auf die Lage in Afghanistan aufmerksam gemacht hatte, sollten die Kulturschätze gesprengt werden. Doch dazu kam es nicht.

Immer wieder verschob die MCC den Beginn der Arbeiten und räumte den Ausgräbern neue Fristen ein. Nach Verlautbarung der Chinesen wolle die Gesellschaft den Ausgräbern Zeit geben, so viele Statuen wie möglich zu retten. Vermutlich ist jedoch die schlechte Sicherheitslage in der Region Kabul der Grund für die Verzögerungen. Mitglieder der Taliban drohen mit Angriffen. Sie haben das Gebiet um Mes Aynak mit Landminen verseucht. Den tückischen Fallen sind Archäologen und Grabungshelfer in den vergangenen Jahren mehrfach zum Opfer gefallen. Zwar sind 1500 Polizisten in dem etwa 40 Hektar großen Gebiet für die Sicherheit zuständig. Doch solange die Angst bleibt, halten sich die Minenarbeiter fern. Zuletzt kündigte die MCC an, Ende 2015 mit den Sprengungen beginnen zu wollen. Beobachter vermuten jedoch, dass dies nicht vor 2018 geschehen wird.

Die Unesco hält sich raus

Einen Hoffnungsschimmer gibt es. Brent Huffman, US-amerikanischer Filmemacher, hat die Tragödie der Buddhas von Mes Aynak in einer Dokumentation zusammengefasst, die im Juli 2015 international im TV ausgestrahlt wurde und im Internet zu sehen ist. Huffman ist der Meinung, dass der derzeitige Bergbauminister Afghanistans eine Wende bringen könnte, da er als Erster die Bedingungen des Vertrags mit der MCC infrage gestellt habe. Ähnlicher Ansicht ist auch die regierungsunabhängige Organisation Integrity Watch Afghanistan. Sie bewertet es als Fortschritt, dass die afghanische Regierung im Mai 2015 den Vertrag öffentlich zugänglich gemacht hat, der den Kupferabbau in Mes Aynak regelt. Brent Huffman: "So etwas hat es nie zuvor gegeben."

Die Unesco hat den Streit um die Kulturgüter von Mes Aynak beobachtet, hält sich aber heraus. "Es ist wichtig, die wirtschaftliche Entwicklung der afghanischen Bevölkerung mit dem Schutz des nationalen Kulturerbes ins Gleichgewicht zu bringen", teilte das Büro der Organisation in Afghanistan auf Anfrage von bild der wissenschaft mit. Um auf solche Situationen besser vorbereitet zu sein, will die Unesco künftig archäologische Prospektionen überall dort unterstützen, wo Bergbau betrieben werden soll.

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