Verwirrte Flora

Warme Winter lassen möglicherweise nicht alle Pflanzen besser wachsen und gedeihen: Sie könnten bei einigen die Wachstumsperiode sogar verkürzen. Betroffen wären dabei speziell solche Gewächse, die für ihre Entwicklung ein Kältesignal benötigen, schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse von Wachstumsdaten und Klimawerten im tibetanischen Hochland. Obwohl vielen Pflanzen durch das zeitigere Einsetzen des Frühlings und den späteren Beginn des Winters dort eine längere Wachstumsphase geboten werde, zeige sich seit einigen Jahren ein negativer Trend, berichten die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass auch in anderen Teilen der Erde irgendwann die Winter zu warm werden und sich dadurch die Wachstumsperioden verkürzen könnten. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Haiying Yu vom Kunming Institute of Botany in chinesischen Kunming.
Für ihre Studie nutzen die Forscher Satellitenaufnahmen, die das Pflanzenwachstum auf dem tibetanischen Hochplateau sichtbar machen, und setzten diese Informationen in Bezug zu gesammelten Klimadaten. Sie untersuchten dabei die Zeitspanne von 1982 bis 2006. Die Analysen dokumentieren auch hier die langsam ansteigenden Temperaturen im Rahmen der globalen Erwärmung. Bis in die Mitte der 90er Jahre ging dieser Effekt mit einem früheren Beginn der Wachstumsphase bei den Steppen- und Weidepflanzen des untersuchten Gebietes einher. Doch trotz weiterer Zunahme der Temperaturen kehrte sich dieser Effekt in den Folgejahren um: Obwohl der Frühling zeitiger kam und der Beginn des Winters verspätet einsetzte, verkürzte sich die Wachstumsphase der Pflanzen in den Jahren von 2000 bis 2006 um durchschnittlich mehr als drei Wochen.

Die Forscher vermuten, dass hinter diesem Effekt eine Signalfunktion von niedrigen Temperaturen im Winter stecken könnte, die manche Pflanzen als Information für ihre innere Uhr benötigen. Fehlt ein bestimmter Kältereiz, kommen sie durcheinander und die Wachstumsphase setzt später ein. Noch hält die wachstumsverlängernde Wirkung der Temperaturerhöhung in vielen Teilen der Erde an, sagen die Forscher. Doch das könne sich ihren Ergebnissen zufolge irgendwann auch wieder ins Gegenteil verkehren. Solche Effekte zu kennen, sei wichtig, um die landwirtschaftliche Nutzung von Gebieten in verschiedenen Klimazonen planen zu können, so die Wissenschaftler.
Haiying Yu (Kunming Institute of Botany) et al.: PNAS, 10.1073/pnas.1012490107

dapd/wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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