Bernstein-Fund verrät Geheimnisse aus der Urzeit

 Ameise in einem Stück Bernstein aus Braunkohlevorkommen im westindischen Staat Gujarat. Credits: David Grimaldi, American Museum of Natural History, New York
Ameise in einem Stück Bernstein aus Braunkohlevorkommen im westindischen Staat Gujarat. Credits: David Grimaldi, American Museum of Natural History, New York
In Südostasien haben sich tropische Regenwälder bereits vor rund 52 Millionen Jahren etabliert - und sind damit mehr als doppelt so alt wie bislang vermutet. Zu diesem Schluss ist ein internationales Forscherteam gelangt, nachdem es umfangreiche Bernstein-Funde aus Westindien genauer analysiert hat. Die in den Bernstein eingeschlossenen Insekten sowie das ausgehärtete Baumharz selbst erlaubten den Wissenschaftlern dabei einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit Indiens. Neben dem Alter der Regenwälder fanden sie noch ein zweites überraschendes Ergebnis: Obwohl Indien nach dem Auseinanderbrechen des Superkontinents Gondwana fast 100 Millionen Jahre ohne Verbindung zu anderen Kontinenten war, finden sich viele Insektenarten auch in ähnlich alten Bernsteinen auf anderen Kontinenten. Die Erklärung der Forscher: Zwischen den Kontinenten könnten sogenannte Inselbrücken die Ausbreitungen über das trennende Meer hinweg erleichtert haben.
Rund 150 Kilogramm Bernstein hatten Jes Rust von der Universität Bonn und seine Kollegen im Laufe der letzten Jahre in Braunkohlevorkommen im westindischen Staat Gujarat entdeckt - eine ungeheure Menge, wenn man das geringe Gewicht von Bernstein bedenkt. Bislang konnten sie darin fast 800 Einschlüsse identifizieren, die größtenteils sehr gut erhalten waren. Die erste Sensation verbarg sich jedoch im Bernstein selbst: Als die Wissenschaftler den gehärteten Pflanzensaft einer genauen chemischen Analyse unterzogen, stellten sie fest, dass er definitiv von Flügelfruchtgewächsen stammen muss, den sogenannten Dipterocarpaceae. Den Fundstellen und dem Alter der Bernsteine entsprechend müssen die immergrünen, sehr harzhaltigen Bäume vor 52 Millionen Jahren bereits weite Landstriche an der Nordwestküste Indiens bedeckt haben. Damit haben sich die südostasiatischen Regenwälder nicht erst vor rund 20 Millionen Jahren entwickelt, sondern deutlich früher.

Wichtige neue Erkenntnisse lieferten auch die im Harz eingeschlossenen Insekten: Wie Vergleiche mit anderen Versteinerungen - unter anderem aus der Grube Messel bei Darmstadt - zeigten, hatten die Bienen, Termiten und Ameisen zum Zeitpunkt ihres Todes auch auf anderen Kontinenten zahlreiche nahe Verwandte. Dies ist insofern überraschend, da Indien nach seiner Loslösung vom Urkontinent Gondwana über 100 Millionen Jahre keinen Kontakt zu andern Kontinenten hatte, ehe es vor rund 50 Millionen Jahren auf Asien prallte. "Wir vermuten daher, dass im Zuge der Kontinentalverschiebungen zahlreiche Inseln zwischen den Kontinenten aus dem Meer emporgedrückt wurden, die eine Art Brücke gebildet haben", erklärt Jes Rust. "Insekten, aber auch Säugetiere konnten auf diese Weise Insel-Hopping betreiben und so nach und nach die weiten Strecken übers Meer wandern."
Jes Rust (Universität Bonn) et al.: Proceedings of the U.S. National Academy of Sciences, Onlineveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1007407107

dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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