Schnelles Ende

 Teile eines Knochens und eines Stoßzahns von einem Mammut auf der Wrangelinsel: Die vom Festland isolierten letzten Tiere ihrer Art starben nicht wegen Inzucht oder Übernutzung des Lebensraums aus, sondern durch Bejagung oder Klimaerwärmung. Bild: Anders Angerbjörn
Teile eines Knochens und eines Stoßzahns von einem Mammut auf der Wrangelinsel: Die vom Festland isolierten letzten Tiere ihrer Art starben nicht wegen Inzucht oder Übernutzung des Lebensraums aus, sondern durch Bejagung oder Klimaerwärmung. Bild: Anders Angerbjörn
Vor 3700 Jahren lebten noch Mammuts isoliert auf der westsibirischen Wrangelinsel, starben dann aber innerhalb kurzer Zeit aus. Das hat ein internationales Forschungsteam anhand von Erbgutanalysen nachgewiesen. Erbkrankheiten sind an dem schnellen Ende nicht Schuld, denn trotz einer geringen Genvielfalt war die Population stabil. Die Mammuts pflanzten sich noch weitere 5000 Jahre fort, nachdem ihre Verwandten auf dem Festland bereits verschwunden waren. Als Auslöser für das Aussterben der Inselelefanten kommt nur eine plötzliche Katastrophe in Frage wie eine schnelle Klimaveränderung oder die Einwanderung des Menschen.
Bis zum Massensterben vieler großer Säugetierarten am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 bis 12.000 Jahren waren Mammuts fast weltweit verbreitet. Durch ein dichtes Fell hervorragend an tiefe Temperaturen angepasst, zogen sie in Herden über die eiszeitliche Steppe. Als Gründe für das Aussterben der zotteligen Elefanten gelten die Klimaerwärmung und die Bejagung durch den Menschen. Auf der 7600 Quadratkilometer großen Wrangelinsel im arktischen Ozean vor Westsibirien überlebten einige Mammuts 5000 Jahre länger als ihre Artgenossen auf dem Festland. Die Insel war zunächst Teil des Festlands, wurde aber dann durch den steigenden Meeresspiegel abgeschnitten, so dass die kleine Mammut-Population isoliert wurde.

Die Forscher um Veronica Nyström von der Stockholm University untersuchten nun die genetische Vielfalt dieser Tiere, um festzustellen, ob sie schließlich aufgrund einer zu kleinen genetischen Vielfalt das Los ihrer Festlandverwandten teilen mussten. Analysiert wurde die DNA von bereits datierten Mammutknochen oder -zähnen aus der Zeit zwischen der Isolation der Insel vor 9000 Jahren bis zum endgültigen Aussterben der Mammuts vor etwa 3700 Jahren. Insgesamt verfügten sie so über Material von 36 verschiedenen Mammuts aus dieser Zeit. Zusätzlich wurde Vergleichsmaterial herangezogen von sechs Tieren, die vor 12.000 bis 38.000 Jahren lebten.

Es zeigte sich, dass die genetische Variabilität der Wrangel-Inselbewohner im Verhältnis zur Vergleichsgruppe sehr klein war. Die isoliert lebenden Mammuts hatten also alle ein ähnliches Erbgut, was auf einige wenige Vorfahren hindeutet. Die Variabilität nahm aber zwischen 9000 bis kurz vor dem angenommenen Aussterben der Tiere vor 3700 Jahren nicht mehr weiter ab, sondern ? im Gegenteil ? sogar wieder leicht zu. Nach Meinung der Wissenschaftler ist das ein Hinweis dafür, dass die Mammuts nicht nach und nach verschwanden, wie es etwa bei Inzucht oder Übernutzung des Lebensraumes geschehen wäre: Sie starben schlagartig aus. Das bestätigt die beiden Thesen, dass die Mammuts dem jagenden Menschen zum Opfer fielen oder sich der Klimaveränderung nicht schnell genug anpassen konnten.
Veronica Nyström (Stockholm University) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, doi:10.1098/rspb.2010.0301

ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander


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